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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 10. DEZEMBER 2007
LPA – Wohnbau, Chancengleichheit, Gemeindenfinanzen und Unterhaltsvorschuss
waren vier Schwerpunkte der heutigen Sitzung der Landesregierung, bei der es
sich nach den Worten von Landeshauptmann Luis Durnwalder um eine sehr bewegte
Sitzung gehandelt hat. „Man merkt schon, dass das letzte Jahr unserer
Legislaturperiode begonnen hat“, lautete seine Begründung.
WOHNBAU: Mittelschicht und Mietbeiträge
Einen Ausbau der Förderung für die Mittelschicht und Einschränkungen bei den
Mietbeiträgen soll das Wohnbauförderungsgesetz des Landes in Zukunft bringen.
Die Landesregierung setzte heute die Arbeiten an der Gesetzesnovelle fort, die
„hoffentlich in der kommenden Woche abgeschlossen werden“, so der
Landeshauptmann. Die Regierungsmitglieder einigten sich auf den Ausbau der
Förderung der Mittelschicht durch die Schaffung einer fünften
Einkommenskategorie. Diese sollte Familien oder Personen einschließen, die mehr
als die derzeit für die vierte Kategorie geltenden 37.000 Euro bereinigten
Jahreseinkommens beziehen, und zwar bis rund 50.000 Euro, was einem
besteuerbaren Einkommen von rund 80.000 Euro entspricht. Sie sollten in Zukunft
Anrecht auf einen geförderten Baugrund haben und auch Erschließungskosten
sparen; in beiden Bereichen will das Land die Hälfte beisteuern. Im Unterschied
zu den restlichen vier Kategorien soll allerdings für diese Kategorie keine
zusätzliche Bauförderung vorgesehen werden. Neben dem Bau soll auch der Kauf mit
einem Betrag von bis zu 20 Prozent der Kosten gefördert werden. Ein dritter und
neuer Weg ist schließlich jener des Wohnungsbaus durch Körperschaften. Diese
Wohnungen sollen zum Landesmietzins über zwanzig Jahre vermietet und in der
Folge an die Mieter verkauft werden.
Was das Mietgeld angeht, so will das Land vor allem Missbrauch vorbeugen. Die
Landesregierung beschloss heute, Personen, die jünger als 40 Jahre sind, für
niemanden Sorge tragen und gesund sind, vom Mietgeld auszuschließen. Außerdem
soll der Mietenzuschuss künftig nur mehr Personen gewährt werden, die seit
mindestens fünf Jahren in Südtirol ansässig sind und mindestens zwei Jahre im
Land gearbeitet haben. „Einige Details müssen noch geklärt werden“, so der
Landeshauptmann, „unser Ziel ist es aber, die vorhandenen Geldmittel so gerecht
wie möglich zu verteilen.“
CHANCENGLEICHHEIT: Auch Qualifikation berücksichtigen
Auch die Behandlung des Gesetzentwurfs zur Verwirklichung der Chancengleichheit
hat die Landesregierung heute fortgesetzt. „Wir haben den Entwurf wesentlich
verändert“, so LH Durnwalder nach der Regierungssitzung. Die Änderungen
betreffen zum einen die Berücksichtigung der Qualifikation. „Nur bei gleicher
Qualifikation soll dem unterrepräsentierten Geschlecht der Vorrang zuerkannt
werden“, erklärte der Landeshauptmann, dies solle sowohl für die berufliche
Laufbahn, als auch für die Fortbildung gelten. Die Landesregierung sprach sich
außerdem für eine Änderung des vorgesehenen Schlüssels für die angemessene
Vertretung der Geschlechter aus. 45 Prozent seien ja schon fast die Hälfte, so
eine Geschlechterverteilung für alle Berufsbilder und Ämter vorzusehen, sei
unmöglich, man könne ein Drittel oder 30 Prozent als möglichen Prozentsatz ins
Auge fassen, so der Landeshauptmann. Bei der Besetzung von Ämtern und Gremien
sei es durchaus richtig und wichtig, dass beide Geschlechter vertreten seien,
doch solle man nicht für jede Landesabteilung und jedes Gremium die
Zusammensetzung einzeln bewerten, da in manchen Sparten Frauen und in manchen
Sparten Männer stärker vertreten seien.
GEMEINDENFINANZEN: Fonds für örtliche Körperschaften
Durch die Einrichtung eines Rotationsfonds sollen Gemeinden bei der Tilgung
ihrer Schulen von rund 1,2 Milliarden Euro unterstützt werden. Aus diesem
Rotationsfonds könnten den Gemeinden Darlehen gewährt werden, die Tilgungsraten
würden in den Fonds zurückfließen und diesen speisen. Die Landesregierung sprach
sich für diesen Vorschlag aus, den auch der Präsident des Gemeindeverbandes,
Arnold Schuler, unterstützt und genehmigte heute grundsätzlich den Entwurf eines
Gesetzesartikels, der nun in das Finanzgesetz 2008 oder in den
„Omnibus-Gesetzentwurf“ aufgenommen werden soll. Demnach wird der Rotationsfonds
je zur Hälfte von Land und Gemeinden finanziert. Vorgesehen sind für beide
Partner Finanzierungsbeiträge von jeweils 50 Millionen Euro über fünf Jahre, so
dass im Laufe der kommenden fünf Jahre 500 Millionen Euro zusammenkommen sollen.
Wie im Falle der Gesetzentwürfe zur Wohnbauförderung und zur Chancengleichheit
muss auch in diesem Falle nach der endgültigen Genehmigung der Gesetzesvorlage
der Landtag darüber befinden.
BBT: Unterzeichnung in Rom
Landeshauptmann Luis Durnwalder wird morgen in Rom am Sitz des
Infrastrukturen-Ministeriums an der Unterzeichnung des Abkommens über die
Verwirklichung der südlichen BBT-Zulaufstrecken teilnehmen. Dabei wird der
Landeshauptmann den Standpunkt der Landesregierung über die Priorität der
Zulaufstrecken, also auch jener zwischen Branzoll-Salurn, die Entwicklung der
Machbarkeitsstudie zum Vorprojekt, die Berücksichtigung der UVP-Auflagen und die
gleichrangige Berücksichtigung aller Zulaufstrecken. Die Landesregierung gab
heute grünes Licht dafür.
RICHTERSTELLEN: Ausschreibung angefochten
Die Landesregierung wird die Ausschreibung von Richterstellen durch den Obersten
Richterrat anfechten. Grund dafür ist die italienweite Ausschreibung dreier
Stellen in Südtirol ohne Berücksichtigung der Autonomiebestimmungen. Der
formelle Beschluss wurde heute gefasst.
FRANZENSFESTE: 19-jähriger Konzessionsvertrag
In der Erwartung, dass die für militärische Zwecke nicht mehr genutzte
Franzensfeste in den Besitz des Landes Südtirol übergehe, wird das Land vorerst
auf der Grundlage eines 19-jährigen Konzessionsvertrages über die Liegenschaft
verfügen können. Die Landesregierung genehmigte heute den Vertragsentwurf und
ermächtigte den Landeshauptmann zur Unterzeichnung des Vertrages mit der Agentur
für Staatsgüter. Demnach wird das Land jährlich 21.000 Euro für die Nutzung der
Festung bezahlen, die in den kommenden Jahren Austragungsort der Kunstbiennale
Manifesta, der Landesausstellung 2009 sowie Standort eines BBT-Info-Points und
eines Brennerbahn-Museums werden soll.
UNTERHALTSVORSCHUSS: Erste Pfändung
Den 1,286 Millionen Euro vom Land vorgestreckten Unterhaltszahlungen stehen
40.000 Euro Rückzahlungen gegenüber. Damit das Landesgesetz über den
Unterhaltsvorschuss nicht ausgenutzt wird und die säumigen Elternteile nicht ins
Nichts abtauchen können, will das Land nun strengere Maßstäbe anwenden. So soll
der Unterhalt künftig nur mehr vorgeschossen werden, wenn ein richterliches
Urteil vorliegt, das dem Betroffenen auch zugestellt werden konnte. Inzwischen
hat die Landesregierung erstmals eine Pfändung beschlossen, um vorgeschossene
Unterhaltsgeder zurück zu erhalten.
FINANZIERUNGEN beschlossen
Die Gemeinden Auer, Bozen, Branzoll, Brixen, Eppan, Gsies, Leifers, Meran,
Montan, Sarntal, Sterzing, Terlan, Tramin, Villanders und Vintl erhalten vom
Land 6,87 Millionen Euro an IRPEF-Einnahmen. Es handelt sich dabei um den
Gemeinden beschlossenen Zuschlag auf die Einkommenssteuer für das Jahr 2006. Der
diesbezügliche Beschluss wurde heute getroffen.
Für den Bau von Altenwohnungen stellte die Landesregierung heute 2,6 Millionen
Euro zur Verfügung. Knapp 2,3 Millionen Euro von insgesamt 3,8 Millionen Euro
des laufenden Schuljahres wurden heute den Trägern der Schulausspeisungsdienste
zugewiesen. Eine runde Million Euro wurde hingegen für die Errichtung oder
Erneuerung von Feuerwehr- und Zivilschutzbauten zweckgebunden.
Das Land hat seine Mittel für den Neubau der Rittner Bahn heute um weitere fünf
Millionen Euro auf zehn Millionen Euro aufgestockt. Insgesamt will sich das Land
am Bahnbau mit 13,8 Millionen Euro beteiligen.
BAUKOSTEN angehoben
Ab Januar 2008 betragen die amtlichen Baukosten 312 Euro je Kubikmeter und 1248
Euro je Quadratmeter. Die Landesregierung hat die 1,1-prozentige Anhebung der
Baukosten im Verlauf ihrer heutigen Sitzung beschlossen.
Die neuen Beträge gelten für das erste Halbjahr 2008. Grundlage für die Erhöhung
sind die jüngsten Daten des Landesstatistikinstitutes ASTAT, das zwischen
Februar und September 2007 einen Anstieg der Baukosten in der Gemeinde Bozen von
1,1 Prozent nachgewiesen hat. Die amtlichen Baukosten werden von der
Landesregierung zwei Mal im Jahr festgelegt. Die Beträge sind vor allem für die
Wohnbauförderung von Bedeutung, bei der sie als Berechnungsgrundlage dienen.
LOTTOGELDER zugewiesen
Genau 1,15 Millionen Euro an Lottoeinnahmen fließen in den Jahren 2007-09 nach
Südtirol zurück, wo sie für die Erhaltung Südtiroler Kulturgüter verwendet
werden. Die Landesregierung hat heute auf Vorschlag von Landesrätin Sabina
Kasslatter Mur über die Verwendung dieser Gelder entschieden. Demnach werden
370.000 Euro für die archäologischen Grabungen in St. Pauls verwendet, je
230.000 Euro für die Instandsetzungsarbeiten am ehemaligen Hospiz „Klösterle“
von St. Florian in Laag bei Neumarkt und der Franzensfeste, 90.000 Euro sind für
archäologische Grabungen in Rasen/Antholz (Siedlung und Nekropole "Windschnur")
und 46.000 für Katalogisierungsarbeiten im Archiv des Domstifts in Innichen
bestimmt.
IRAP: Weitere Senkung beschlossen
Die Landesregierung will den Unternehmen weiter entgegenkommen. Nachdem bereits
vor einigen Monaten eine 0,5-prozentige Senkung der Gewerbesteuer IRAP
beschlossen worden ist, entschied man sich heute für eine weitere Senkung um
0,5, allerdings müssen Unternehmen, die diese Senkung in Anspruch nehmen, auf
eine Landesförderung verzichten. "Es handelt sich hierbei um ein Angebot an die
Wirtschaft. Jedem einzelnen Unternehmen soll es freistehen, ob es eine weitere
Reduzierung der IRAP im Ausmaß von 0,5 Prozentpunkten bei gleichzeitigem
Ausschluss von der Wirtschaftsförderung von fünf Jahren in Anspruch nehmen
will", sagt Landesrat Werner Frick und verweist dabei auf die große Sensibilität
in Sachen Steuerbelastung des Landes. "Es ist dies ein weiterer Schritt in
Richtung einer Stärkung des Wirtschaftsstandortes Südtirol", so Frick. |