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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 26. NOVEMBER 2007
(LPA) Vom Wohnbau über die Raumordnung bis hin zu Flughafen, Standortmarketing,
Lärmschutz und zur Molekularmedizin reichte die Palette der Themen, die heute
von der Landesregierung behandelt worden sind. Landeshauptmann Luis Durnwalder
hat wie gewohnt im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung die wichtigsten
Beschlüsse bei einer Pressekonferenz vorgestellt.
Raumordnung: Privatvermieter, Heimatferne, Hotels
Einige Präzisierungen am geltenden Raumordnungsgesetz wird die Landesregierung
im Omnibusgesetz vornehmen, das neben dem klassischen Finanzgesetz in den
kommenden Wochen dem Landtag vorgelegt werden soll. Eine der Klarstellungen
betrifft dabei die Unteilbarkeit von Hotels. "Wir haben im Raumordnungsgesetz
vorgesehen, dass Hotels nicht in kleinere Einheiten unterteilt werden können, um
diese dann Schritt für Schritt als Wohnungen zu verkaufen", so Landeshauptmann
Luis Durnwalder. Dies sei auch mit einem entsprechenden Passus im neuen
Raumordnungsgesetz vermerkt, allerdings habe man darin nicht ausdrücklich
vorgesehen, dass das Verbot der Teilung nicht nur 20 Jahre lang aufrecht bleibe,
sondern dauerhaft. "Wir werden dies nun expressis verbis festschreiben", so
Durnwalder.
Klarstellung Nummer zwei betrifft die Errichtung von Bienenständen, die laut
Raumordnungsgesetz nur Bauern erlaubt ist. "Nachdem wir zahllose Imker haben,
die nicht Bauern sind, und ihnen das selbe Recht zustehen soll, werden wir
diesen Artikel ändern", erklärt der Landeshauptmann.
Eine Klärung gibt es auch in Bezug auf die Aussiedlung landwirtschaftlicher
Betriebe aus dem Ortszentrum, die nur noch möglich ist, wenn eine entsprechende
Experten-Kommission ("29er Kommission") sich dafür entscheidet. Sie ist es auch,
die zeitgleich die Entscheidung trifft, wohin die Hofstelle verlegt werden kann.
"Nachdem in dieser Kommission Experten aus allen Bereichen sitzen, soll ihr
Gutachten alle anderen bisher notwendigen Gutachten ersetzen", so Durnwalder.
Eine weitere Präzisierung betrifft die Heimatfernen. Sie sollen in Zukunft
konventionierte Wohnungen besetzen dürfen. "Dies deshalb, weil wir sehr großen
Wert darauf legen, dass die Heimatfernen den Kontakt zu Südtirol nicht
verlieren", so der Landeshauptmann.
Und schließlich hatte die Landesregierung noch zwei Regelungen für die
Privatzimmervermieter zu beschließen. Die eine wird in den Entwurf des
Omnibusgesetzes eingefügt und legt fest, dass bei Erweiterungen von
Privatvermieter-Betrieben die neue Kubatur nicht konventioniert werden muss. Für
alle anderen Erweiterungen gilt nämlich, dass 60 Prozent der entstehenden
Kubatur der Konventionierung unterworfen werden muss.
Regelung Nummer zwei ist in einer neuen Durchführungsverordnung zum
Raumordnungsgesetz festgehalten, die die Landesregierung heute genehmigt hat.
Sie legt die Grenzen der qualitativen Erweiterung von Betrieben, die Zimmer
vermieten, fest. Demnach gilt die Möglichkeit, solche Betriebe zu erweitern, nur
für diejenigen, die 1997 bereits als Privatvermieter tätig waren und nur für die
Anzahl an Betten, die 1997 gemeldet war. "Auf der Grundlage dieser beiden
Voraussetzungen können Privatzimmervermieter eine Erweiterung von 18 Kubikmetern
pro Bett vornehmen, sofern der Betrieb über eine Sonne oder zwei Sonnen
verfügt", erklärt der Landeshauptmann. Falle der Betrieb in die Kategorien mit
drei oder vier Sonnen, sei eine Erweiterung um 20 Kubikmeter pro Bett zulässig.
Flughafen Bozen: Anpassung, nicht Ausbau
Der Flughafen von Bozen wird nicht ausgebaut, sondern lediglich den
international geltenden Sicherheitsrichtlinien angepasst. Dies hat heute
Landeshauptmann Luis Durnwalder mit Blick auf die Ergebnisse einer Umfrage zum
Flughafen noch einmal unterstrichen. "Es war nie die Rede davon, dass der
Flughafen ausgebaut oder die Zahl der Starts und Landungen erhöht werden muss,
damit er kostendeckend arbeiten kann", so der Landeshauptmann. Vielmehr habe man
seit jeher in Kauf genommen, dass die Struktur an sich rote Zahlen schreibe.
"Für uns ist es wichtig, eine solche Struktur zu haben, die uns eine
internationale Anbindung ermöglicht", so Durnwalder.
Der Landeshauptmann hat heute erneut betont, dass es nun lediglich um
Anpassungsarbeiten gehe. "Wir haben dabei ein klares Programm", so Durnwalder.
So gehe es darum, getrennte Abfertigungshallen für Passagiere aus dem Schengen-
und aus dem Nicht-Schengen-Raum bereit zu stellen, wie dies die EU fordert. Auch
müsse man für eine neue Umzäunung des Geländes sorgen, die ebenfalls von den
internationalen Sicherheitsrichtlinien vorgeschrieben werde. "Zudem muss der
Belag der Rollbahn ausgebessert werden, damit er den gängigen Standards
entspricht", so der Landeshauptmann. Und schließlich gehe es um den Bau von zwei
Hangars, die es erlaubten, etwa die Maschinen von "Air Alps" in Bozen zu warten.
"Damit würden vier Flugbewegungen täglich überflüssig, nachdem die Maschinen
heute immer von Bozen nach Innsbruck geflogen werden müssen, damit sie dort
gewartet werden können", so Durnwalder.
Zu den Umfragewerten betont der Landeshauptmann, dass man nicht Gegner des
Flughafens und Gegner seines Ausbaus in einen Topf werfen könne.
Großwasserableitungen: Land kündigt Konzessionären
Nachdem das Land nun die Zuständigkeit über die Vergabe der Konzessionen für
große Wasserableitungen zur Produktion von Strom ausübt, hat die Landesregierung
heute einen wichtigen Schritt gesetzt. "Wir sind gesetzlich verpflichtet, drei
Jahre vor Ablauf der Konzessionen den bisherigen Konzessionären mitzuteilen,
dass wir ihre Konzessionen eventuell nicht verlängern", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder zum entsprechenden heutigen Beschluss der Landesregierung. Betroffen
sind insgesamt 18 Kraftwerke, deren Konzessionen in den Jahren 2010 und 2011
auslaufen. Darunter finden sich die 15 Kraftwerke des Enel, darüber hinaus eines
der Edison (Laas) sowie zwei der Etschwerke (Töll, Naturns). "Diese Kraftwerke
gehören zu den wichtigsten, weil größten in unserem Land", so Durnwalder.
Würde die jeweilige Konzession nicht verlängert oder wieder an den bisherigen
Inhaber vergeben, so sieht das Gesetz vor, dass die Leitungen und die
entsprechenden Fassungen kostenlos an den neuen Konzessionär gehen müssten. "Was
dagegen die Produktionsstätte und die dazu gehörigen Gebäude betrifft, so müssen
diese zum jeweiligen Schätzwert abgelöst werden", so der Landeshauptmann.
Externe Aufträge bleiben 2008 auf Stand von 2007
Um 20 Prozent hat die Landesregierung den Umfang der externen Aufträge in den
vergangenen zwei Jahren gesenkt, im kommenden Jahr wird eine weitere Senkung
aber nicht mehr ins Auge gefasst. "Wir haben heute beschlossen, den Umfang der
Aufträge nicht weiter zu reduzieren, weil dies nach den deutlichen Senkungen in
diesem und im letzten Jahr nicht mehr möglich wäre", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder.
Institut für Molekularmedizin: Finanzierung steht
Einen Finanzierungsplan für das "Bozen Institut für Molekulare Medizin", kurz:
BIMM, hat die Landesregierung heute auf die Beine gestellt. Demnach werden in
diesem Jahr 200.000 Euro bereit gestellt, die dazu dienen, die Kosten der
Machbarkeitsstudie zu decken. Im kommenden Jahr werden 1,8 Millionen Euro aus
dem Landesbudget für das BIMM zur Verfügung stehen, im Jahr darauf drei
Millionen Euro. 2010 wird die Finanzierung des Landes für das Forschungsinstitut
vier Millionen Euro betragen, 2011 fünf Millionen Euro. "Ab diesem Jahr werden
wir jährlich fünf Millionen Euro bereit stellen", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder, der hofft, dass das BIMM einen international anerkannten Beitrag zur
Forschung im Bereich der Molekularmedizin leisten könne.
BLS: Gesellschaftssatzungen genehmigt
Die Landesregierung hat heute formell die Standortmarketing-Gesellschaft
"Business Location Südtirol" (BLS) aus der Taufe gehoben und deren Satzungen
genehmigt. Die BLS wird demnach die Aufgabe haben, den Unternehmensstandort
Südtirol zu vermarkten und innovative, zukunftsfähige Unternehmen nach Südtirol
zu locken. "So können wir nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch neue,
für Hochqualifizierte interessante Arbeitsplätze schaffen", so Landeshauptmann
Luis Durnwalder heute.
Laut Gesellschaftsstatut wird der Verwaltungsrat der BLS aus drei Mitgliedern
bestehen. Ihm zur Seite steht ein beratender Beirat, der wiederum aus je einem
Vertreter der Unternehmer, der Südtirol Marketing Gesellschaft SMG, von "Techno
Innovation Südtirol" (TIS), der Exportorganisation EOS und dem
Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) der Handelskammer bestehen wird.
Modelleisenbahn-Museum in Rabland
In Rabland in der Gemeinde Partschins entsteht das größte Modelleisenbahn-Museum
Europas. Die raumordnerischen Grundlagen dafür hat die Landesregierung heute mit
der Ausweisung einer entsprechenden Zone für Einrichtungen von öffentlichem
Interesse gelegt. Das Museum wird in einem ehemaligen Stadel in Rabland
entstehen und fußt auf der Schenkung eines Hamburger Arztes, der seine Sammlung
in seinen privaten Räumen nicht mehr unterbringen konnte. Kosten wird das Museum
laut Angaben von Landeshauptmann Luis Durnwalder rund 1,8 Millionen Euro. "Die
Mittel dafür haben wir im Haushalt bereits vorgesehen", so Durnwalder.
Lärmschutz für Pfatten
Pfatten, genauer die Ortschaft Birti, wird in Zukunft besser vor dem Lärm der
Autobahn geschützt. Nach langen Verhandlungen hat Landeshauptmann Luis
Durnwalder erreicht, dass die Brennerautobahn-Gesellschaft ein entsprechendes
Projekt vorlegt, die Landesregierung hat dieses heute abgesegnet. "Ich habe mit
Autobahn-Präsident Silvano Grisenti zudem vereinbart, dass noch in diesem Jahr
mit den Arbeiten zur Errichtung der Lärmschutzwände begonnen wird", so der
Landeshauptmann.
Gründerzentrum in Martell entsteht
In Martell entsteht das vierte periphere Betriebsgründerzentrum in Südtirol. "Es
ist eine Struktur, die kleinen heimischen Unternehmen Unterstützung und ein Dach
über dem Kopf bieten soll, damit wir die Abwanderung aus dem Tal stoppen
können", so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Gerade Martell als
strukturschwaches Gebiet habe eine solche Einrichtung nötig, die es in Südtirol
auch bereits im Sarntal, in Ulten und am Deutschnonsberg gibt. Kosten wird das
Betriebsgründerzentrum rund 1,6 Millionen Euro, 1,28 Millionen Euro wird das
Land übernehmen.
Kampagne gegen Motorradunfälle auch 2008
Auch 2008 wird die Kampagne gegen Motorradunfälle fortgesetzt. Darauf hat sich
die Landesregierung heute geeinigt. Für die Kampagne zur Verfügung gestellt
werden 150.000 Euro.
Dieses Geld sei gut angelegt, zeige die Kampagne doch erste Wirkungen. Wurden im
Jahr 2006 noch 28 tödliche Unfälle verzeichnet, waren es 2007 nur noch zwölf.
"Ich will nicht behaupten, dass dies allein an der Kampagne liegt, sie hat aber
vielleicht auch einen Beitrag dazu geleistet, die Motorradfahrer für die
Gefahren zu sensibilisieren", so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Gleichzeitig
haben laut Durnwalder auch die baulichen Verbesserungen, etwa jene der
Leitplanken, positive Ergebnisse erbracht. "Die Mittel, die wir hier
investieren, sind gut angelegt, und zwar auch dann, wenn sie nur ein Leben
retten", erklärte heute der Landeshauptmann.
Landschaftspläne genehmigt
Die Landesregierung hat heute auch die Landschaftspläne von zwei Gemeinden
gutgeheißen, und zwar jenen von Gais und jenen von Riffian. In beiden Fällen
habe man die Vorschläge der Gemeinde übernommen, so Landeshauptmann Luis
Durnwalder.
Arbeit an Wohnbaureform geht weiter
Zwei Stunden hat die Landesregierung heute dafür vorgesehen, an der Reform des
Wohnbaugesetzes weiterzuarbeiten. Allerdings, so schränkte Landeshauptmann Luis
Durnwalder ein, habe man keine wesentlichen formellen Beschlüsse gefasst und nur
einige wenige weitere Artikel diskutiert, weshalb er erst nach der nächsten
Sitzung der Landesregierung darüber - und über die nächsten Montag zu treffenden
Entscheidungen - berichten werde. |