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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 1. OKTOBER 2007
(LPA) EU-Programme, Förderkriterien für die Wirtschaft, Richtlinien für
Erweiterungen im Gastgewerbe und nicht zuletzt ein erster Überblick über die
bevorstehenden Haushalts-Diskussionen: Die Themenpalette, mit der sich die
Landesregierung heute (1. Oktober) befasst hat, war eine breite, Landeshauptmann
Luis Durnwalder hat im Anschluss an die Sitzung wie gewohnt die wichtigsten
Beschlüsse vorgestellt.
Haushalt: Jetzt geht's los
Die Landesregierung hat sich im Rahmen ihrer heutigen Sitzung zum ersten Mal mit
der Erstellung des Haushalts für das kommende Jahr befasst. Dabei gibt's
zunächst einmal positives zu vermelden: "Wir werden im kommenden Jahr über rund
300 Millionen Euro mehr verfügen als noch in diesem Jahr", so Landeshauptmann
Luis Durnwalder heute. Dies entspricht einem Plus von rund 6,4 Prozent. Ein Teil
dieser Gelder müsse in Bereiche investiert werden, in denen ein Mehrbedarf
bereits vorhersehbar sei. Durnwalder nannte heute die Bereiche Gesundheit,
Schule und Personal als Beispiele.
"Den Rest werden wir in einige Schwerpunkt investieren", so der Landeshauptmann,
der persönlich dafür plädiert, diese Gelder in die langjährigen
Strukturprogramme etwa im Bereich der öffentlichen Bauten, der Seniorenheime
oder der Unterbringung der Landesämter zu stecken. "Wir müssen damit rechnen,
dass wir in Zukunft vielleicht eher weniger als mehr Mittel zur Verfügung haben
werden. Wenn wir diese Programme also früher abschließen können, umso besser",
so Durnwalder. Auch an das Bilden einer Rücklage für den eventuellen Kauf der
Enel- und Edisonkraftwerke im Land habe man bereits gedacht. "Auch hierfür würde
dann gelten, dass wir kürzere Fristen für die Amortisierung hätten und so früher
damit rechnen könnten, über effektive Einnahmen zu verfügen", erklärte der
Landeshauptmann heute auf der Pressekonferenz im Anschluss an die
Regierungssitzung.
Es gehe nun in jedem Fall darum, weitere Verhandlungen in Sachen Haushalt zu
führen. So werde man in den nächsten Wochen Arbeitnehmer- und
Arbeitgeberverbände sowie die Gemeinden dazu anhören. Auch der Bedarf der
Landesräte für ihre jeweiligen Ressorts werde nun erhoben. Was die Verhandlungen
mit den Gemeinden anlangt, so zeigte sich Durnwalder heute für alle
Lösungsvorschläge offen. "Die Grundsatzvereinbarung, wonach den Gemeinden 13,5
Prozent der Einnahmen aus Titel eins und zwei zustehen, läuft dieses Jahr aus",
so der Landeshauptmann. "Wir sind gerne bereit über diesen Grundsatz und
eventuelle andere Finanzierungsmodelle zu verhandeln."
Verhandelt werden müsse schließlich auch mit dem Staat, und zwar in Sachen
Stabilitätspakt, denn: "Wenn wir den Staat nicht davon überzeugen können,
anstatt der Ausgaben die Saldi aus Einnahmen und Ausgaben als Grundlage des
Pakts heranzuziehen, bleibt uns nicht viel Spielraum", so Durnwalder. Falls der
Staat nämlich weiter auf Ausgabenmaxima für die jeweiligen Bereiche bestünde,
könnten auch Mehreinnahmen nicht mehr verausgabt werden, es sei denn in jenen
Bereichen, die vom Stabilitätspakt ausgeklammert bleiben.
Zudem gehe es nun auch darum, die Übernahme neuer Kompetenzen durch das Land zu
regeln: als Beitrag zum staatlichen Sparhaushalt. "Wir haben heute als
Landesregierung offiziell beschlossen, welche Bereiche wir bereit sind zu
übernehmen", so der Landeshauptmann. Es sind dies: die Kosten für den Sender
Bozen der RAI ("Wobei wir zwar nicht inhaltlich aber organisatorisch dann auch
mitreden wollen", so Durnwalder, der etwa die Verlängerung der Sendezeiten für
die Ladiner als Notwendigkeit angeführt hat), die Verteilung der Post, die
Übernahme der Staatsagenturen sowie jene des Staatsarchivs und des
Staatsbauamts. "Und danach müssen wir auch noch einmal über die delegierten
Kompetenzen reden", so der Landeshauptmann. Derzeit gebe das Land in diesen
Bereichen nämlich weit mehr aus, als der Staat an Kosten rückerstatte.
Machbarkeitsstudie für Zulaufstrecken: Weichen gestellt
Die Weichen für eine der zentralen verkehrspolitischen Zukunftsfragen in
Südtirol hat die Landesregierung heute gestellt. Sie hat die von den eigenen
Ämtern zu erstellende Machbarkeitsstudie zum Bau der Zulaufstrecken zum BBT
durchs Unterland auf den Weg gebracht und dafür auch die notwendigen Mittel
bereit gestellt. "Die Studie wird rund 470.000 Euro kosten, die wir auch noch in
diesem Jahr zur Verfügung stellen", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute.
Allerdings wolle das Land die Kosten für die Studie nicht alleine tragen. "Die
Schienenbetreibergesellschaft RFI hat zwar eine Beteiligung in Höhe von 50.000
Euro zugesagt, wir plädieren aber für eine gerechtere Aufteilung der Kosten", so
Durnwalder. Trotz der ungeklärten Kostenaufteilung hat man dem Projekt der
Machbarkeitsstudie heute grünes Licht gegeben, "weil wir die Arbeiten nicht
aufhalten wollen", so der Landeshauptmann. Aber: "Mit dem Staat und mit RFI
müssen wir diesbezüglich noch einmal nachverhandeln."
Zweisprachigkeit der Konzessionäre: Rundschreiben
All diejenigen Unternehmen, die einen öffentlichen Dienst anbieten, die so
genannten Konzessionäre also, sind dazu verpflichtet, im Rahmen ihrer Dienste
die Zweisprachigkeit zu gewährleisten. "Nachdem es in den letzten Wochen immer
wieder Klagen gegeben hat, dass diese Pflicht nicht eingehalten werde, haben wir
heute beschlossen, die Konzessionäre noch einmal daran zu erinnern", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute. Diese Erinnerung wird in Form eines
Rundschreibens des Landeshauptmanns an alle Konzessionäre ausfallen. "Darin
werde ich die Konzessionäre dazu auffordern, dafür Sorge zu tragen, dass ein
zweisprachiger Service angeboten wird, und sie zudem ermahnen, in allen Büros,
Transportmitteln, etc. einen Hinweis darauf anzubringen, dass im Rahmen der
Dienste sich jeder deutsch- oder italienischsprachige Nutzer seiner
Muttersprache bedienen kann", so Durnwalder.
Erweiterungsmöglichkeiten im Gastgewerbe: Neue Regeln
Mit dem neuen Raumordnungsgesetz wurden auch die Möglichkeiten zur Erweiterung
gastgewerblicher Betriebe auf neue Beine gestellt. Heute hat die Landesregierung
die entsprechende Durchführungsverordnung in zweiter Lesung und damit endgültig
genehmigt. Sie sieht vor, dass nicht mehr wie bisher zwischen qualitativer und
quantitativer Erweiterung unterschieden wird, sondern den Unternehmern der
Spielraum eingeräumt wird, im Rahmen des zugestandenen Bauvolumens nach eigenem
Ermessen zwischen dem für zusätzliche Zimmer oder neue Gemeinschaftsräume
notwendigen zu unterscheiden. "Klar ist, dass der Unternehmer dabei die für die
jeweilige Sterne-Kategorie vorgesehenen Spielregeln einhalten muss", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der
Landesregierung.
Was grundsätzlich nicht überschritten werden dürfe, sei allerdings die
Gesamtbettenanzahl im Lande, die auf dem Stand vom 1.1.1985 und damit auf einem
historischen Höchstwert eingefroren worden ist: es gab damals genau 229.088
Gästebetten in Südtirol.
Neue Richtlinien gibt's zudem für die Ausweisung neuer Tourismus-Gebiete in den
Gemeinden. Während diese für fremdenverkehrsschwache Gebiete weiterhin möglich
sei, seien die Hürden für andere Gebiete erhöht worden. So müsse vor der
Ausweisung ein Gesamtentwicklungsplan für die Gemeinde vorgelegt werden, aus dem
klar ersichtlich sei, dass es die Ausweisung neuer Zonen brauche. Genehmigt hat
die Landesregierung heute zudem die neuen Richtlinien für die Ausweisung von
Campingplätzen.
EFRE und LEP: Zwei EU-Programme genehmigt
Grünes Licht hat die Landesregierung heute gleich zwei wegweisenden
EU-Programmen für die Jahre 2007 bis 2013 gegeben. Es handelt sich um das
Ländliche Entwicklungsprogramm (LEP) und das Ziel "Regionale
Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung" des Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung (EFRE). Mit letzterem soll in die Beratung von Unternehmen ebenso
investiert werden, wie in die Forschung und Entwicklung, in die Anbindung ans
Breitbandnetz, in die Förderung der umweltbezogenen Nachhaltigkeit, in die
Risikoprävention sowie in die technische Hilfe. Im LEP werden dagegen die
bereits bewährten Förderungen für die Land- und Forstwirtschaft festgeschrieben,
dazu die Schwerpunkte Aus- und Weiterbildung sowie Verbesserung der
Produktqualität. Insgesamt werden über beide Programme bis 2013 rund 312
Millionen Euro nach Südtirol fließen, so Landeshauptmann Luis Durnwalder.
Förderrichtlinien für die Landwirtschaft ok
Genehmigt hat die Landesregierung heute auch die neuen Förderrichtlinien im
Bereich der Landwirtschaft. Demnach werden Investitionen in Einzelbetrieben mit
einem Beitrag von 30 Prozent der anerkannten Kosten bedacht. "Wenn es sich
allerdings um einen Kleinbetrieb handelt, kann dieser Satz auf 40 Prozent
steigen", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute. Etwas zurückgeschraubt
worden sei der Fördersatz für Investitionen von Genossenschaften. "Allerdings
haben auch diese die Möglichkeit, durch Fusionen den Fördersatz um zehn Prozent
anzuheben", so der Landeshauptmann, der außerdem erklärte, dass Beträge bis zu
800.000 Euro in Form eines Beitrags ausgeschüttet würden, bei Beträgen darüber
aber die Form eines Darlehens gewählt werde.
Gewerbliche Wirtschaft: Neue Förderkriterien
Neu sind auch die Kriterien zur Förderung von Betrieben aus den vier Sektoren
der gewerblichen Wirtschaft. "Dabei werden die Unternehmen nun allesamt
gleichbehandelt, unabhängig davon, ob sie im Bereich der Industrie, des
Handwerks, des Handels oder der Dienstleistungen anzusiedeln sind", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute nach der Sitzung der Landesregierung.
Basisfördersatz seien 13 Prozent der anerkannten Kosten, allerdings könne dieser
angehoben werden, wenn es sich beispielsweise um einen Meisterbetrieb (plus fünf
Prozent), um ein Jungunternehmen (plus zwei Prozent) oder um ein Unternehmen in
strukturschwachen Gebieten (plus zwei Prozent) handelt.
Als Förderschwerpunkte nannte der Landeshauptmann heute deren vier. Demnach
solle die Förderung dem Wachstum zugute kommen, die Nahversorgung garantieren,
die Innovationsfähigkeit der Unternehmen unterstützen oder die Umwelt schützen.
Schule: Zusätzliche Schüler, Klassen und Lehrer
Die angewachsenen Schülerzahlen haben die Landesregierung heute dazu veranlasst,
auch einer Erhöhung der Klassen zuzustimmen und in deren Gefolge der Einstellung
zusätzlicher Lehrpersonen. Der Anstieg der Schülerzahlen an den deutschen
Schulen um rund 400 hat etwa dazu geführt, dass man 14 zusätzliche Klassen
einrichten und zehn zusätzliche Lehrer einstellen wird. Die Klassenanzahl an den
italienischen Schulen wird dagegen um zwei steigen, ebenso wie die Zahl der dort
beschäftigten Lehrer, während die Fachschulen für Land- und Hauswirtschaft mit
einem Schülerplus von rund 300 Schülern sieben Klassen und fünf Lehrer dazu
bekommen.
Verbilligter Treibstoff: Software und Vertragsmuster
Ab Anfang 2008 soll in grenznahen Gemeinden in Südtirol verbilligter Treibstoff
ausgegeben werden, um den Tanktourismus in die Nachbarländer zu unterbinden.
Nachdem die Regelung - je nach Grenznähe - zwei Zonen unterscheidet, in denen
unterschiedliche Preisnachlässe gelten, nachdem die Nachlässe auch vom
Treibstoffpreis in den Nachbarländern abhängen und nachdem der Staat auch in
Zukunft nicht auf Einnahmen aus dem Treibstoffverkauf verzichten möchte (und das
Land deshalb für die Höhe der bisherigen Einnahmen gerade steht), ist eine
hochkomplizierte Software zur Steuerung des Systems notwendig. "Glücklicherweise
existiert diese Software bereits, weil auch das System der
Treibstoff-Verbilligung bereits existiert, und zwar in der Lombardei", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute.
Die Lombardei habe dem Land zugesichert, dass dieses die eigens entwickelte
Software kostenlos übernehmen könne. "Zudem werden wir von der Lombardei auch
das Vertragsmuster bekommen, mit dem wir dem Staat seine Einnahmen garantieren",
so der Landeshauptmann. Auch dieses wird dem Land kostenlos zur Verfügung
gestellt.
Bäume fällen: Jetzt gibt's neue Regeln
Neue Regeln hat die Landesregierung heute für das Fällen von Bäumen aufgestellt.
Demnach gilt zwar weiterhin, dass außerhalb der Ortschaften die Forstverwaltung
für die entsprechende Genehmigung zuständig sei, innerhalb der Ortschaften wurde
das Prozedere allerdings vereinfacht. So ist zwar grundsätzlich nach wie vor der
Bürgermeister für die Ausstellung der entsprechenden Genehmigung zuständig, dies
gilt aber nur noch in klar definierten Fällen. "Zum einen immer dann, wenn ein
Baum einen Durchmesser von mehr als 50 Zentimeter aufweist", so Landeshauptmann
Luis Durnwalder. Fall Nummer zwei betrifft Bäume von öffentlichem Interesse. "Es
kann sein, dass ein Baum für eine Ortschaft von Bedeutung ist, sodass er nicht
so einfach gefällt werden kann", so Durnwalder. Welche diese Bäume sind, müsse
die Gemeinde in einem Verzeichnis festlegen. Werde ein Baum in dieses
Verzeichnis aufgenommen, so sei wiederum der Bürgermeister dafür zuständig, die
Erlaubnis zum Fällen auszustellen. |