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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 8. OKTOBER 2007
LPA – Der Landeshaushalt 2008 war das beherrschende Diskussionsthema der
heutigen Landesregierungssitzung, bei der darüber hinaus einige aktuelle Themen
aufgegriffen und eine Reihe von Verwaltungsbeschlüssen getroffen wurden.
HAUSHALT 2008: Arbeiten laufen
Die Arbeiten am Entwurf für den Landeshaushalt 2008 und das entsprechende
Finanzgesetz sind voll im Gang. Landeshauptmann Luis Durnwalder und
Finanz-Landesrat Werner Frick unterbreiteten heute den Kollegen in der
Landesregierung einen Vorschlag. Demnach sind für das kommende Jahr für alle
Bereiche Erhöhungen um 2,2 Prozent zum Ausgleich der Inflationsrate vorgesehen.
„Wir wollen aber auch Schwerpunkte setzen“, erklärte der Landeshauptmann auf der
Montagspressekonferenz, „für einige Bereiche soll es stärkere Anhebungen geben:
So ist für die Gemeinden ein Plus von 7,6 Prozent vorgesehen, für den Tourismus
zum Abbau der langen Wartezeiten auf Beiträge ein Plus von 7,4 Prozent, für den
Wohnbau von sechs Prozent, das Gesundheitswesen von fünf Prozent. Je vier
Prozent mehr als im Vorjahr soll es für Schule und Bildungswesen, Denkmalpflege
und Kultur sowie für das Straßennetz geben.“ Natürlich werde es noch einiger
Diskussionen und Verhandlungen bedürfen, bis der Haushaltsentwurf endgültig sei,
so der Landeshauptmann, zumal die Landesräte jeweils das Doppelte der
vorgesehenen Beträge beantragt hätten. Auch prüfe man derzeit noch, ob man im
kommenden Jahr erstmals von der Erstellung eines Nachtragshaushaltes absehen
werde. Sollte man sich dafür entscheiden, so müssten im Finanzgesetz die
entsprechenden Voraussetzungen geschaffen werden. Der Betrag des
Nachtragshaushaltes von etwa 150 Millionen Euro würde dann in den Haushalt mit
einer Verfügbarkeit ab vorliegender Abschlussrechnung 2007 voraussichtlich im
März oder April aufgenommen.
CHANCENGLEICHHEIT: Kommission eingesetzt
Im Zusammenhang mit dem im Südtiroler Landtag eingebrachten Gesetzentwurf zur
Chancengleichheit will auch die Landesregierung aktiv werden. Eine
Landesräte-Kommission soll prüfen, welche Wege gangbar sind, um den Stellenwert
der Frauen in der öffentlichen Verwaltung zu heben. In die Arbeitsgruppe wurden
die Landesräte für Personal, Thomas Widmann, für Chancengleichheit und Arbeit,
Luisa Gnecchi, sowie Hans Berger und Werner Frick berufen.
FORDERUNGEN DER GEMEINDEN: Diskussion wird fortgesetzt
Die Forderungen der Gemeinden nach mehr Kompetenzen für die Gemeinden, mehr
Mitspracherecht für den Rat der Gemeinden und ein neues Finanzierungssystem
haben die Landesregierung heute lange beschäftigt hat. Alle Landesräte brachten
dabei ihren Standpunkt zum Ausdruck. Schließlich einigte man sich darauf, den
Gemeindenverband aufzufordern, einen Vorschlag für einen neuen Schlüssel zur
Verteilung der Geldmittel unter den Gemeinden auszuarbeiten. Im Raum steht auch
die Frage, ob der derzeitige für die Gemeindenfinanzierung geltende Prozentsatz
von 13,5 Prozent der Finanzmittel des Landeshaushalt beibehalten werden soll.
ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT: Konferenz am 8. November
Die Globalisierung macht die Forderungen nach nachhaltiger Entwicklung,
Überwindung der Armut, Schutz der Umwelt und nach sozialer Gerechtigkeit
besonders akut. Eine Antwort darauf ist der „Global Marshall Plan“, der über ein
Zusammenwirken von Politik und Wirtschaft eine ökosoziale Marktwirtschaft
anstrebt. Das Land Südtirol ist im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit sowohl
als Projektträger und als auch als Projektförderer sowie in der
Bewusstseinsbildung tätig. Am 8. November wird das Land Südtirol eine
internationale Konferenz zum „Global Marshall Plan“ beherbergen, an der auch der
ehemalige EU-Kommissär Franz Fischler teilnehmen wird. „Wir sehen diese
Veranstaltung als Maßnahme zur Bewusstseinsbildung einerseits, andererseits aber
auch als Maßstab für unsere Politik im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit“,
so der Landeshauptmann heute.
WOHNBAU: Staatliche Mittel für sechs Gemeinden
Nach Bozen, Meran, Leifers, Lana, Eppan und Algund – Südtirols Gemeinden mit der
größten Wohnungsnot – fließen rund 8,5 Millionen Euro aus dem staatlichen
Aktionsprogramm zur Beseitigung der Wohnungsnot. Das hat die Landesregierung
beschlossen. Insgesamt wurden auf gesamtstaatlicher Ebene 550 Millionen Euro
bereit gestellt, Südtirol erhält davon 1,6 Prozent.
SCHULBAU: staatliche Finanzmittel zugewiesen
Der Staat hat dem Land Südtirol für den Dreijahreszeitraum 2007-09 eine
Sonderzuweisung von 1,9 Millionen Euro für den Schulbau zur Verfügung gestellt.
Die Landesregierung entschied heute über die Verwendung des Geldes. Demnach
sollen die 2007 zur Verfügung stehenden Finanzmittel von 372.000 Euro in die 1,2
Millionen Euro teure Sanierung der Turnhalle in der Sportzone „Schwarzenbach“ in
Auer fließen. Der für 2008 und 2009 zur Verfügung stehende Betrag von je 768.700
Euro ist für den rund 13 Millionen Euro teuren Umbau des Schulgebäudes des
humanistischen Gymnasiums „Walther von der Vogelweide“ in Bozen beziehungsweise
für die Sanierung und Verbesserung des Sitzes der Lehranstalt für Wirtschaft und
Tourismus „Gasteiner“ in Auer bestimmt, der das Land Südtirol geschätzte 1,85
Millionen Euro kosten wird.
MOTORRÄDER-VERSCHROTTUNG: Beiträge gewährt
Das Land Südtirol fördert die Verschrottung von Motorrädern und Mofas, um die
Anzahl der Abgasschleudern auf Südtirols Straßen zugunsten umweltfreundlicherer
zweirädriger Motorfahrzeuge zu mindern. Heute wurden für die Verschrottung
solcher zweirädriger Fahrzeuge insgesamt 25.500 Euro bereitgestellt. Die
Verschrottungsprämie beträgt 300 Euro. Im Jahr kann sie an bis zu tausend
Fahrzeughalter vergeben werden.
PERSONENBEFÖRDERUNG: 17 Millionen Euro
Ein Investitionsprogramm für den Bereich der öffentlichen Personenbeförderung
hat die Landesregierung auf Vorschlag von Mobilitätslandesrat Thomas Widmann
beschlossen. Es handelt sich um einen Betrag von 17 Millionen Euro, von dem fast
15 Millionen Euro für den Ankauf von neuen Zuggarnituren ausgegeben werden
sollen, 2,5 Millionen Euro sind hingegen für Verbesserungen der Vinschger Bahn
bestimmt. Die Investitionen in die Vinschger Bahn belaufen sich damit auf sieben
Millionen in diesem Jahr, da zusätzlich ein Betriebsdefizit von 4,5 Millionen
Euro abzudecken ist.
CLAUDIANA: Keine Entscheidung bezüglich Direktor
Noch keine Entscheidung hat die Landesregierung heute bezüglich der Neubesetzung
der Direktorenstelle der Fachhochschule für Gesundheitsberufe „Claudiana“
getroffen. Um die Stelle hatten sich 29 Personen beworben. Unter den 23
Bewerbern, die die Voraussetzungen für die Leitungsposition erfüllen, waren von
einer eigenen Kommission drei ausgewählt und der Landesregierung zur letzten
Auswahl unterbreitet worden. Nachdem sich einer dieser Kandidaten heute
zurückgezogen hat, will die Landesregierung nun die Frage klären lassen, ob sie
nun die Wahl unter zwei Kandidaten vornehmen kann, oder ob ein dritter Kandidat
hinzugezogen werden muss.
MERANER THERME: Zustimmung zu einziger Gesellschaft
Die Landesregierung stimmte heute dem Antrag der Thermen Meran zu,
Hotel und Therme als einzige gemeinsame Gesellschaft zu führen, um dadurch
Personal- und Verwaltungskosten einsparen zu können. Die Landesregierung
forderte allerdings eine völlig getrennte Verwaltung und Buchführung, damit zu
jedem Zeitpunkt die Situation der beiden Einrichtungen klar und übersichtlich
sei.
ELER: Begleitausschuss ernannt
Den Begleitausschuss für den ländlichen Raum hat die Landesregierung heute auf
Vorschlag von Landesrat Hans Berger neu bestellt. Aufgabe des 26-köpfigen
Gremiums ist es, über die Umsetzung des entsprechenden europäischen
Entwicklungsprogramms im Zeitraum 2007-2013 zu wachen.
DRITTE AUTOBAHNSPUR, ALKOHOLAUSSCHANK, DACHMARKE…
"Ich verstehe die Welt nicht mehr. Es gibt den Beschluss aus dem Jahr 2004, der
einen Ausbau der dritten Autobahnspur im Süden vorsieht, aber bei uns – zwischen
Rovereto und Neumarkt - bleibt die Spur eine Spur, die in Notsituationen oder
bei Unfällen benutzt werden wird“, LH Durnwalder bekräftigte im Rahmen der
heutigen Montagspressekonferenz den Standpunkt der Landesregierung in Sachen
dritte Autobahnspur. Die Sicherheitsspur werde zwar von derzeit zweieinhalb auf
dreieinhalb Meter auf Kosten des Mittelstreifens ausgebaut, dies aber nur, um
den europäischen und gesamtstaatlichen Sicherheitsvorschriften genüge zu tun.
Was das Alkoholausschank-Verbot nach zwei Uhr früh betrifft, betonte der
Landeshauptmann die ablehnende Haltung der Landesregierung gegenüber der
staatlichen Maßnahme. Dem wahren Problem käme man mit diesem Verbot nicht bei.
Die Kritik am Dachmarken-Logo wies der Landeshauptmann mit mehreren Bewertungen
und Stellungnahmen international anerkannter Fachleute zurück. Diese erkennen
dem Logo ein "einzigartige Initiative des Standortmarketings" zu.
Schließlich wurden heute auch die Befürchtungen etwaiger Lärmbelastungen im
Zusammenhang mit dem Hangarbau am Flughafen Bozen zerstreut. „Wir werden keinen
Hangarbau zulassen, der die Bevölkerung belastet“, so der Landeshauptmann. |