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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 15. OKTOBER 2007
(LPA) Gleich drei dicke Brocken hatte die Landesregierung in ihrer heutigen (15.
Oktober) Sitzung zu behandeln. Da war zum einen die Wohnbaureform, zu deren
Entwurf heute die ersten Artikel behandelt worden sind, zum anderen der Haushalt
und das Finanzgesetz, zu denen heute einige grundsätzliche Entscheidungen
gefallen sind.
Wohnbaureform: Erste Schritte
Die ersten Schritte hin zur geplanten Reform der Wohnbauförderung hat die
Landesregierung heute gesetzt. So habe man noch einmal unterstrichen, dass die
Reform bestimmten Bevölkerungsgruppen, allen voran dem Mittelstand, zugute
kommen solle, erklärte Landeshauptmann Luis Durnwalder heute nach der Sitzung
der Landesregierung. Zudem solle die Reform die Problematiken rund um das
Aufeinandertreffen von Südtirolern und Einwanderern auf dem geförderten
Wohnungsmarkt zu lösen helfen.
Heute hat man sich auch bereits mit ersten konkreten Artikeln des Gesetzentwurfs
befasst. So wird in Zukunft das Mietgeld nicht mehr allein über das
Wohnbauinstitut ausgezahlt. "Vielmehr behalten wir uns vor, dieses auch über die
Bezirksgemeinschaften auszuzahlen, weil wir der Meinung sind, dass es oft
sinnvoll ist, das Mietgeld mit anderen Sozialleistungen zu koppeln", so
Durnwalder.
Neu ist auch, dass in Zukunft über die Wohnbauförderung Pilotprojekte angegangen
werden können. Man denke dabei an die Förderung von Wohngemeinschaften, von
Energiespar-Initiativen oder die maßgeschneiderte Unterstützung bestimmter
Bevölkerungsgruppen, etwa junger Familien, erklärte heute der Landeshauptmann.
Darüber hinaus will die Landesregierung im Gesetzentwurf festschreiben - "und
dazu zwingt uns auch ein entsprechendes Gerichtsurteil" (Durnwalder) - dass auch
EU-Bürger beim Ansuchen um eine Wohnbauförderung sich zu einer Sprachgruppe
zugehörig erklären oder sich einer solchen angliedern müssen.
Und schließlich setzt die Landesregierung die bereits angekündigte Trennung der
Ranglisten durch. So soll es in Zukunft eine Rangliste für Einheimische und
EU-Bürger geben, eine zweite für Nicht-EU-Bürger. "Alle müssen
selbstverständlich die Grundvoraussetzung der fünfjährigen Ansässigkeit in
Südtirol erfüllen, um überhaupt in den Genuss der Zuweisung einer Wohnung zu
kommen", so der Landeshauptmann. Es werde danach die Landesregierung sein, die
auf der Grundlage des tatsächlichen Bedarfs und der zur Verfügung stehenden
Geldmittel entscheide, wie viele Wohnungen über die eine und wie viele über die
andere Rangliste zugewiesen würden, erklärte Durnwalder heute.
"Die Wohnbaureform wird uns noch einige Sitzungen hindurch beschäftigen, weil es
eine hochkomplexe und finanziell aufwändige Materie ist, die es zu regeln gilt",
so der Landeshauptmann.
Haushalt: Kein Nachtragshaushalt, vier Schwerpunkte
Geht es nach der Landesregierung, soll es im kommenden Jahr keinen
Nachtragshaushalt geben. "Vielmehr wollen wir die zu erwartenden Mehreinnahmen
bereits jetzt zuteilen, sodass so kurz vor Ende der Legislatur nicht noch ein
Nachtragshaushalt gemacht werden muss", so Landeshauptmann Luis Durnwalder
heute.
Demnach stehen neben den bereits feststehenden rund 4,9 Milliarden Euro des
Anfangshaushalts noch weitere 50 bis 100 Millionen Euro zur Verteilung an. "Wir
müssen in dieser Woche noch genau festlegen, wie hoch die Summe sein wird, und
wir werden dabei sehr vorsichtig vorgehen", so Durnwalder.
Stehe einmal das ungefähre Ausmaß des zu verteilenden Plus', wird der
Landeshauptmann noch einmal mit den einzelnen Landesräten deren Anforderungen
durchgehen. Allerdings hat man sich heute bereits darauf geeinigt, vier
Schwerpunkte mit den zu erwartenden Mehreinnahmen besonders zu bedenken. "Es
geht darum, dass wir die kostenintensiven Mehrjahresprogramme besser mit Geld
ausstatten, damit wir deren Laufzeit verkürzen, also jetzt bereits wichtige
Schritte setzen können, die für die kommenden Jahre vorgesehen gewesen wären",
erklärte heute der Landeshauptmann.
Schwerpunkt Nummer eins ist dabei das Programm zur Verbesserung des öffentlichen
Nahverkehrs in Südtirol. "Die Gelder sollen hier vor allem in den Ausbau der
Bahnhöfe und in den Ankauf neuer, umweltfreundlicher Busse sowie moderner
Zuggarnituren fließen", so Durnwalder.
Der zweite Schwerpunkt ist das Straßenbauprogramm des Landes, das beschleunigt
werden soll. "Dies betrifft in erster Linie die Umfahrungen von Leifers, Brixen
und Meran", erklärte der Landeshauptmann. Vor allem der Baubeginn der letzteren
könnte dank der zusätzlichen Mittel noch auf das kommende Jahr vorgezogen
werden.
Einen weiteren Schwerpunkt ortet die Landesregierung im Hochbauprogramm. Hier
sollen vor allem die Projekte im Schulbau und im Bau von
Gesundheitseinrichtungen vorangetrieben werden.
Vierter und letzter Schwerpunkt ist schließlich das Tauschgeschäft zwischen
Staat und Land, das vorsieht, dass der Staat Kasernenareale abtritt und im
Gegenzug Wohnungen von Seiten des Landes erhält. "Wir erhalten zwar die
Grundstücke, müssen gleichzeitig aber mit dem Bau der Wohnungen auf den
Kasernenarealen beginnen, diese also auch finanzieren", erklärt Durnwalder.
Voraussichlich werden es 40 Wohnungen sein, die man bereits 2008 für Angehörige
des Heeres bauen müsse. "Und dafür müssen wir die nötigen Mittel bereitstellen",
so der Landeshauptmann.
Finanzgesetz: IRAP, Uni, Kraftwerke
Auch der Entwurf zum Finanzgesetz für das kommende Jahr beschäftigt die
Landesregierung zur Zeit. Wie heute beschlossen wurde, wird darin die bereits
angekündigte Senkung der Umsatzsteuer IRAP um einen halben Prozentpunkt
festgeschrieben.
Darüber hinaus will die Landesregierung darin die Möglichkeit eines 432
Millionen Euro schweren Darlehens bestätigen, das für den Einstieg in eine
Gesellschaft vorgesehen ist, die die Edison- und Enel-Kraftwerke im Land
übernehmen soll. "Wir sind in den Verhandlungen an einem guten Punkt und stehen
kurz vor einem Abschluss", kündigte Landeshauptmann Luis Durnwalder heute an.
Die Mittel - oder zumindest Teile davon - könnten also bereits 2008 benötigt
werden.
Auch im Finanzgesetz vorsehen will man bereits einen provisorischen Haushalt für
das Jahr 2009. "Nachdem voraussichtlich Ende Oktober ein neuer Landtag gewählt
wird, wird die neue Landesregierung Anfang des Jahres 2009 noch nicht stehen und
auch mit der Verabschiedung eines Haushalts ist damit nicht vor April zu
rechnen", so der Landeshauptmann heute. Mit dem provisorischen Haushalt wird der
Landesbetrieb ermächtigt, pro Monat bis zu einem Zwölftel der Mittel des
vorherigen Haushalts auszugeben.
Vorgesehen wird im Finanzgesetzentwurf auch ein Passus, der es der
Landesregierung ermöglicht, die Freie Universität Bozen finanziell zu
unterstützen, und zwar sowohl wenn es um die Finanzierung von Bauten, als auch
um die der Tätigkeit sowie der Forschung geht.
Die Landesregierung hat sich heute zudem dafür ausgesprochen, einen Passus in
das Finanzgesetz aufzunehmen, der die Ahndung von Fehlern beim Ansuchen um
Landesbeiträge ändert. "Bis dato ist es so, dass bei falschen Angaben in den
Gesuchen nicht nur eine Strafzahlung anfällt, sondern der Betreffende auch für
fünf Jahre vom Erhalt jeglicher Förderung des Landes ausgeschlossen wird",
erklärte Durnwalder heute. Das Problem mit diesem an sich zu begrüßenden
Prozedere sei, dass nicht zwischen kleinen Formfehlern und willentlichen
Falschangaben mit großen Auswirkungen unterschieden werden. "Durch die neue
Regelung wollen wir die Möglichkeit eröffnen, bei kleineren Fehlern die Dauer
des Ausschlusses zu verringern", so der Landeshauptmann.
Kellerei Gries: Ensemble-, nicht Denkmalschutz
Die Landesregierung hat heute auch den Weg für eine Bauleitplanänderung in der
Gemeinde Bozen freigemacht, und zwar in Sachen Kellerei Gries. "Wir haben uns
dabei an die Vorschläge der technischen Kommission der Gemeinde gehalten, die
besagen, dass das Ensemble der Kellerei Gries zu schützen ist", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute. Dies bedeute, dass die Kellerei nicht
unter Denkmalschutz gestellt werde. "Die Kellereigebäude können also ganz oder
teilweise abgerissen werden, solange garantiert wird, dass der Charakter des
Ensembles gewahrt bleibt", so der Landeshauptmann.
Personalien: Denkmalpflege, Claudiana, Finanzen
Drei wichtige Personalentscheidungen hat die Landesregierung heute ebenfalls
getroffen. So wurde aus insgesamt 23 Kandidaten und einem von einer Kommission
gemachten Dreiervorschlag Guido Bocchio zum neuen Direktor der
Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe "Claudiana" ernannt.
Die Landesabteilung Finanzen und Haushalt übernimmt mit Anfang 2008 dagegen Eros
Magnago als Direktor. Der amtierende Abteilungsdirektor Marco Platter wird mit
1. Jänner des kommenden Jahres in Ruhestand treten. Magnago führt derzeit das
Landesamt für Ausgaben.
Und schließlich wird - ebenfalls mit 1. Jänner 2008 - Leo Andergassen die
Landesabteilung Denkmalpflege und damit die Nachfolge des scheidenden
Abteilungsdirektors Helmut Stampfer übernehmen.
Schülerprotest: Ja, aber nicht über die Stränge schlagen
"Selbstverständlich" gestehe man den Schülern zu, zu aktuellen, auch politischen
Themen ihre Meinung zu sagen und diese öffentlich kundzutun, erklärte heute
Landeshauptmann Luis Durnwalder mit Bezug auf die Schülerdemo Ende vergangener
Woche in Bozen. "Mehr noch: Wir sind sogar froh, wenn die Schüler ihre Meinung
einbringen." Allerdings müssten auch sie die dafür geltenden Regeln beachten,
müssten ihre Demonstrationen bei den zuständigen Stellen melden und Vandalenakte
in jedem Fall unterlassen, so der Landeshauptmann. "Auch und vor allem junge
Menschen müssen lernen, diese Regeln einzuhalten", so Durnwalder, der hofft,
dass sich Episoden wie jene am Freitag nicht wiederholen. |