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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 29. OKTOBER 2007
(LPA) Das Finangesetz stand heute (29. Oktober) im Mittelpunkt der Sitzung der
Landesregierung, doch hat diese auch die Zeit gefunden, einige wichtige
Verwaltungsbeschlüsse zu fassen. So hat man entschieden, in Bozen ein Institut
für Molekularmedizin zu errichten, Schulbauten früher zu realisieren als geplant
und Milchquoten zuzuweisen.
Finanzgesetz: Weitere Artikel stehen
Einen großen Schritt vorangekommen ist die Landesregierung heute bei der
Behandlung des Finanzgesetzes für das Jahr 2008. "Zwar sind noch einige Punkte
zu klären, die wichtigsten Artikel haben wir aber bereits unter Dach und Fach",
so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der
Landesregierung.
Ins Finanzgesetz aufgenommen wird etwa ein Passus, mit dem 20 Millionen Euro
bereit gestellt werden. "Mit diesen wollen wir die Kompetenzen finanzieren, die
wir vom Staat übernehmen wollen", so der Landeshauptmann. Sollte dafür größerer
Geldbedarf bestehen, werde man die Mittel aus dem Reservefonds zuschießen.
Vorgesehen sind im Finanzgesetz auch eine Reihe von Artikeln, die das Regieren
im Hinblick auf das Ende der Legislaturperiode im Oktober 2008 erleichtern soll.
"Nachdem die neue Landesregierung aller Voraussicht nach nicht bereits Ende des
Jahres stehen wird, müssen wir in den ersten Monaten des Jahres 2009 mit einem
vorübergehenden Haushalt arbeiten", so Durnwalder. Dies sieht auch ein
entsprechender Passus im Finanzgesetz vor, der es der geschäftsführenden
Landesregierung bzw. danach auch der neuen erlaubt, bis zur Verabschiedung eines
endgültigen Haushalts monatlich bis zu einem Zwölftel der Mittel zu verausgaben,
die im Haushalt 2008 vorgesehen waren.
Ebenso geregelt wird die Aufnahme eventuell notwendiger zusätzlicher Lehrer für
das Schuljahr 2008/09. "Nachdem wir noch nicht wissen, wie sich die
Schülerzahlen entwickeln, müssen wir diesen Spielraum offen lassen", erklärt der
Landeshauptmann.
Dazu kommt, dass im Finanzgesetz festgeschrieben wird, dass die Landesregierung
in Zukunft einen Nachtragshaushalt vorsehen kann, dies aber nicht tun muss. Der
entsprechende Passus soll auch bereits 2008 Anwendung finden, ein Jahr, in dem
es keinen Nachtragshaushalt geben soll.
Im Finanzgesetz-Entwurf zu finden ist zudem die Senkung der IRAP um einen halben
Prozentpunkt sowie die Regelung der Hochschulfinanzierung.
Befasst hat sich die Landesregierung im Zusammenhang mit dem Finanzgesetz auch
mit der Regelung der Außendienste der Mitarbeiter des Landes. Derzeit bekommen
die Mitarbeiter die Spesen im Außendienst vergütet und zudem eine Zulage, die
den Mehraufwand im Außendienst abdecken soll. "Es gibt ein Urteil des
Verfassungsgerichts, das diese Zulage als gesetzwidrig erklärt", so
Landeshauptmann Durnwalder.
Trotzdem wolle das Land den Anreiz - der derzeit Kosten in Höhe von drei
Millionen Euro verursache - aber nicht gänzlich abschaffen, sodass man nun
diesen Punkt in die Kollektivvertragsverhandlungen einbringen will. "Wir haben
beschlossen, dass wir dem Urteil des Verfassungsgerichts ab 1. April 2008
Rechnung tragen, falls bis dahin nicht eine Vereinbarung der
Kollektivvertrags-Partner gefunden worden ist", so Durnwalder.
Neu geregelt werden sollen auch die Folgen von falsch ausgefüllten
Beitragsansuchen. "Wenn festgestellt wird, dass eine falsche Angabe gemacht
worden ist, dann wird der Antragsteller derzeit für fünf Jahre von jeder
Förderung ausgeschlossen", so der Landeshauptmann. In Zukunft soll die Schwere
des Vergehens über die Länge des Ausschlusses entscheiden. So ist etwa bei zu
Unrecht kassierten Beiträgen bis zu 5000 Euro ein Ausschluss bis zu zwei Jahren
vorgesehen, bei bis zu 10.000 Euro sollen es drei Jahre sein.
Per Finanzgesetz abgeschafft werden sollen zudem die geforderten hygienischen
bzw. ärztlichen Zeugnisse, etwa bei der Aufnahme in den öffentlichen Dienst oder
bei der Führung eines Monopolbetriebs. Auch die Möglichkeiten für Vereine und
Verbände, Räumlichkeiten der Schulen zu nutzen, wird im Entwurf festgeschrieben,
ebenso wie die Zuständigkeit des Bautenressorts des Landes für die
Instandhaltung der Radwege.
Bozen bekommt Institut für Molekularmedizin
In Bozen entsteht ein Institut für Molekularmedizin. Dies hat die
Landesregierung heute beschlossen. Das Institut soll bereits im kommenden Jahr
gegründet, innerhalb von drei Jahren aufgebaut sein und - abgestimmt mit der
Eurac und den beiden Unis von Bozen und Innsbruck - molekularmedizinische
Forschung betreiben.
Untergebracht wird das neue Institut vorerst in den ehemaligen Räumlichkeiten
der Fachschule für Gesundheitsberufe "Claudiana", nach der Fertigstellung einer
entsprechenden Struktur soll das Forschungsinstitut dann in der Nähe des Bozner
Krankenhauses Platz finden. "Wir planen den Aufbau von vier Abteilungen, wobei
eine voraussichtlich aus der bereits an der Eurac angesiedelten gentechnischen
Forschung bestehen wird", so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Beschäftigen soll
das Institut 60 bis 70 Mitarbeiter. "Wir leisten damit auch einen Beitrag zur
Schaffung attraktiver Arbeitsplätze für Hochqualifizierte und damit gegen die
Abwanderung unserer Akademiker", erklärt Durnwalder.
Kosten wird der Aufbau des Instituts zunächst rund 300.000 Euro im Jahr, nach
Abschluss der Aufbauphase sollen jährlich fünf Millionen Euro zur Verfügung
stehen. "Mit diesen Geldern soll hier Forschung auf Spitzenniveau betrieben
werden, damit wir im internationalen Austausch auch etwas zu bieten haben", so
der Landeshauptmann.
Branzoll: Ex-Beamter der Gemeinde Bozen wird Kommissar
Landeshauptmann Luis Durnwalder hat heute den kommissarischen Verwalter der
Gemeinde Branzoll ernannt. Es ist der 62-jährige Giovanni Carsaniga, der bis zu
seiner Pensionierung als Amtsdirektor in der Verwaltung der Gemeinde Bozen tätig
war.
30 Millionen Euro für Schulbauten
Mit zusätzlichen 30 Millionen Euro will die Landesregierung das Schulbauprogramm
beschleunigen. "Die Gelder stammen aus dem Topf der Lokalfinanzen und sollen es
uns ermöglichen, rund 20 bis 30 Projekte, deren Finanzierung und Realisierung im
Vergleich zu unserem Schulbau-Mehrjahresprogramm vorzuziehen", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der
Landesregierung. Derzeit gebe es verschiedene Schulbauvorhaben, die laut
ursprünglichem Programm erst 2011 oder 2012 angegangen werden sollten. "Dank der
zusätzlichen Mittel können wir diese nun bereits im Jahr 2009 oder gar noch
früher finanzieren", so der Landeshauptmann.
Pflegesicherung: 24 Mitarbeiter sorgen für Einstufung
24 entsprechend vorbereitete Mitarbeiter sorgen in den nächsten Monaten dafür,
dass alle Pflegebedürftigen in Südtirol in eine der vier vom Landesgesetz zur
Sicherung der Pflege vorgesehenen Pflegestufen eingestuft werden. Die Einordnung
ist abhängig vom tatsächlichen Pflegeaufwand und erfolgt nach einem Besuch eines
zweiköpfigen Einstufungsteams, das auch für die Beratung der Pflegebedürftigen
und Pflegenden sorgen wird. "Wir haben von den 24 Angehörigen der Teams zwölf
für ein halbes Jahr eingesteltt, die restlichen zwölf für ein ganzes", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder. In dieser Zeit wolle man die Einstufung
abschließen und damit die Voraussetzungen für die Zuweisung des Pflegegeldes
schaffen.
Europäischer Sozialfonds: 11,6 Millionen Euro bereitgestellt
Die ersten Gelder aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für den neuen
Planungszeitraum bis 2013 sind heute von der Landesregierung bereit gestellt
worden, und zwar 11,6 Millionen Euro. "Wir finanzieren damit rund 60 Kurse aller
vier Achsen des ESF", erklärte dazu Landeshauptmann Luis Durnwalder. Gefördert
werden vor allem Aus- und Weiterbildungs- sowie Umschulungsmaßnahmen. "Wir
versuchen mit den ESF-finanzierten Kursen vor allem Angebote zu schaffen, um
Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt auszuräumen, etwa solchen von älteren
Menschen, die ihren Job verlieren und wieder eingegliedert werden sollen, von
Müttern nach der Babypause oder auch Menschen mit Behinderung", so der
Landeshauptmann.
Milchquoten: Neuregelung der Zuteilung
Beschlossen hat die Landesregierung heute schließlich ein neues Reglement zur
Zuteilung der Milchquoten an Südtirols Bauern. Insgesamt stehen rund 10.000
Tonnen an Quoten zur Verfügung. Neu ist im Reglement vor allem der Koeffizient
für die Berechnung der Flächen im Acker-Futterbau. Hier galt bisher die
Rechnung: Zwei Hektar Acker-Futterbaufläche entsprechen bei der Zuteilung einem
Hektar Wiese, nun ist dieser Koeffizient von zwei auf 1,3 herabgesetzt worden. |