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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 17. SEPTEMBER 2007
(LPA) Die Diskussion rund um den Bildungsgesetz-Entwurf hat heute (17.
September) die Sitzung der Landesregierung bestimmt. Daneben ging's um Themen
wie den Flughafen von Bozen, die Erschließungskosten des Gewerbegebiets Bozen
Süd, die Methangas-Preise oder die Umstellung auf den digitalen Fernsehempfang.
Bildungsgesetz diskutiert
Der Entwurf zum Bildungsgesetz, jenem Gesetz also, das den Kindergarten-,
Pflicht- und Oberschulbereich des Landes regelt, stand heute im Mittelpunkt der
Sitzung der Landesregierung. Zur Diskussion stand ein von Fachleuten aller drei
Sprachgruppen vereinbarter Text, der die grundlegenden Richtlinien für das
Südtiroler Schulsystem festlegt. "Wir sind der Überzeugung, dass es Aufgabe der
Landesregierung ist, diese Richtlinien vorzugeben, um die Einheitlichkeit im
Schulsystem zu garantieren", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im
Anschluss an die Sitzung der Landesregierung. Innerhalb des Rahmens, den diese
Richtlinien vorgeben, stehe es dann allen Schulen frei, ein eigenes Profil zu
entwickeln.
Diskutiert wurde heute etwa über den Bereich der Wahlfächer, wobei man
grundsätzlich festgestellt hat, dass Wahlfächer angeboten werden müssten, diese
also nicht etwa zugunsten zusätzlichen Sprachunterrichts verschwinden könnten.
"Zudem haben wir heute festgehalten, dass das Angebot an Wahlfächern von der
Schule in Absprache mit den Eltern festzulegen ist", so Durnwalder.
Eine klare Absage hat die Landesregierung heute mehrheitlich der Immersion
erteilt. "Immersionsunterricht wird es auch in Zukunft an unseren Schulen nicht
geben", erklärte der Landeshauptmann. Was dagegen sehr wohl möglich sei, so
Durnwalder, sei die Anhebung der Sprachunterrichtsstunden. "Diese können von
sechs auf zehn angehoben werden, vorausgesetzt es verbleibt mindestens eine
Stunde für jedes im Curriculum vorgesehene Fach", so der Landeshauptmann. Auch
in diesen Stunden müsse allerdings Sprachunterricht erteilt werden und nicht
etwa Unterricht in anderen Fächern. "Es geht also nicht an, dass etwa Geschichte
oder Geographie an italienischen Schulen in Deutsch unterrichtet werden", so
Durnwalder. Und: "Bewertet werden darf in diesen Stunden nur der
Sprachunterricht selbst."
Die Landesregierung hat sich heute mehrheitlich für einen zum Entwurf der
Fachleute nur in Details geänderten Gesetzestext ausgesprochen. Dieser wird nun
an den Landtag weitergeleitet, allerdings, so Durnwalder, gebe es dazu noch
immer die Möglichkeit, weiter zwischen den beteiligten Seiten zu verhandeln.
Flughafen Bozen: Mediation und ENAC-Rundschreiben
Den Endbericht zum Mediationsverfahren rund um den Bozner Flughafen hat die
Landesregierung heute zur Kenntnis genommen. In diesem Zusammenhang hat sie sich
in einem Beschluss nun auch offiziell gegen eine Verlängerung der Start- und
Landebahn des Flughafens ausgesprochen, nicht aber gegen eine Anpassung des
Flughafens an die geltenden Bestimmungen.
So sei es notwendig, das Abfertigungsgebäude zu erweitern, um dort die
vorgeschriebenen getrennten Bereiche der Abfertigung von Passagieren aus dem
Schengen-Raum und solchen von außerhalb zu gewährleisten. Dazu müsse das Gelände
des Flughafens neu eingezäunt werden und auch die Start- und Landebahn müsse
eventuell mit einem neuen Belag versehen werden, so Landeshauptmann Luis
Durnwalder heute. Zudem müssten die Voraussetzungen geschaffen werden, um in
Bozen nicht nur Sicht-, sondern auch Instrumentallandungen durchführen zu
können.
Darüber hinaus hat sich die Landesregierung heute noch einmal für den Bau eines
Hangars auf dem Gelände des Flughafens ausgesprochen. "Dieser Hangar erlaubt die
Wartung der Air-Alps-Maschinen am Bozner Flughafen, sodass die derzeit
notwendigen zwei Flüge abends nach Innsbruck und die beiden Flüge in der FRrüh
von Innsbruck nach Bozen obsolet werden", so Durnwalder.
Kopfzerbrechen bereitet der Landesregierung dagegen ein Rundschreiben der
Flugsicherheitsbehörde ENAC, die von allen Flughäfen die Erstellung eines
Sicherheitsplans verlangt. "Diese Pläne sehen drei Sicherheitszonen rund um die
Flughäfen vor", erklärt der Landeshauptmann. In Zone A sei jegliche Bautätigkeit
untersagt, in Zone B dürfe nur bestehendes saniert werden, während in Zone C die
strengen Bauvorschriften gelockert werden können. "Diese Vorschriften würden
einige der geplanten Vorhaben im neuen Gewerbegebiet jenseits der Einsteinstraße
unmöglich machen, ebenso wie den geplanten Gefängnisneubau", erklärte heute der
Landeshauptmann.
Die Landesregierung hat deshalb Mobilitätslandesrat Thomas Widmann damit
beauftragt, direkt mit der ENAC über die mögliche Auslegung des Rundschreibens
zu verhandeln.
Privatvermieter dürfen qualitativ erweitern
Privatzimmervermieter dürfen ihre Betriebe qualitativ erweitern. Diese
Möglichkeit ist im neuen Landesraumordnungsgesetz enthalten. Wie genau die
Erweiterungsmöglichkeiten aber aussehen, dies hat heute die Landesregierung
entschieden. Demnach gilt als Bezugsdatum für die Möglichkeit der qualitativen
Erweiterung der 1. Oktober 1997. Nur Betriebe, die damals bereits bestanden
haben dürfen erweitert werden, und zwar nur im Rahmen der damals bestehenden
Bettenanzahl. Für sie gilt eine Erweiterungsmöglichkeit von 18 (I. und II.
Kategorie) bzw. 20 Kubikmetern pro Bett (III. und IV. Kategorie). "Nimmt man
also ein Doppelzimmer der ersten beiden Kategorien als Grundlage, so darf der
Betrieb um 36 Kubikmeter oder rund zwölf Quadratmeter erweitert werden", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der
Landesregierung.
Diese Kubatur darf im Übrigen nicht nur zur Vergrößerung der Zimmer genutzt
werden, sondern etwa auch zum Bau von Gemeinschaftsräumen. "Allerdings besteht
für diese Kubatur eine zwanzigjährige Bindung, das heißt, sie muss zwanzig Jahre
lang ausschließlich für den Tourismus genutzt werden", so Durnwalder. Läuft die
Bindung aus, bestehe zusätzlich die Pflicht der Konventionierung. "Dadurch
können wir Spekulationen bestmöglich ausschließen", erklärte der
Landeshauptmann.
Geld für Bahnhöfe und Postbuslinie Mals-Zernez
Angenommen hat die Landesregierung heute den Vorschlag der Gemeinde Olang, dort
einen neuen Bahnhof zu errichten, anstatt den bestehenden zu sanieren. "Der alte
Bahnhof bleibt zwar bestehen, es wird aber ein neuer gebaut, der zentraler liegt
und auch besser für Rasen-Antholz genutzt werden kann", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder heute. Zudem koste der Neubau um rund 55.000 Euro weniger als die
Sanierung des alten Gebäudes.
Saniert wird dagegen der Bahnhof von Toblach, und zwar mit einem Aufwand von
rund 705.000 Euro. Das Land wird dazu 180.000 Euro beisteuern, wobei dafür mit
einer Rückvergütung des Staates in Höhe von rund 30 Prozent zu rechnen ist.
Auch für den Linienbisdienst zwischen Mals und dem Schweizer Zernez hat die
Landesregierung heute Geld bereit gestellt. Mit einer Ausgabe von rund 196.000
Euro wird das Land die Buskilometer zwischen Mals und der Staatsgrenze
finanzieren und damit garantieren, dass es außerhalb der Saison, also an
insgesamt 202 Tagen, einen Zweistundentakt auf dieser Strecke geben wird, an den
163 touristisch interessanten Tagen gar einen Stundentakt. Rund ein Drittel der
Kosten wird über das europäische Interreg-Programm getragen.
Beiträge für öffentliche Bauten: Abrechnung wird einfacher
Einfacher wird in Zukunft die Abrechnung, die die Gemeinden für jene Bauten
vorlegen müssen, für die sie vom Land einen Beitrag erhalten. "Die Gemeinden
haben sich darüber beklagt, dass der Iter zu bürokratisch sei und ich muss
sagen: sie haben Recht", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss
an die Sitzung der Landesregierung. Deshalb sei heute der Auftrag an die
zuständigen Abteilungen ergangen, alle Landesgesetze auf
Vereinfachungsmöglichkeiten hin abzuklopfen. "Wir haben zudem entschieden, dass
in allen Fällen, in denen es die EU nicht ausdrücklich anders verlangt, eine
Erklärung des Bauleiters für die Auszahlung des Beitrags genügen soll, in der
dieser bestätigt, dass die Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt worden sind", so
Landeshauotmann Durnwalder.
Geändert werden soll auch die Regelung, nach der vor Auszahlung eines Beitrags
eine quittierte Rechnung vorgelegt werden muss. "Unsere Beiträge dienen ja
gerade dazu, diese Investitionen tätigen zu können", so Durnwalder. "Es kann
also nicht angehen, dass ein Darlehen aufgenommen werden muss, um die Rechnung
zu quittieren, damit der Beitrag beantragt werden kann, mit dem wiederum das
Darlehen abgezahlt wird", erklärt der Landeshauptmann. In Zukunft werde man
demnach auf die Quittierung der Rechnung verzichten.
"Wir werden diese Vereinfachungsvorschläge nun dem Gemeindenverband unterbreiten
und sie mit den Vertretern der Gemeinden diskutieren", so der Landeshauptmann.
TV-Programme: Immer mehr gibt's nur noch digital
Das digitale Zeitalter hat nun auch - und endgültig - den Fernsehempfang
erreicht. "ARD und SRG sind seit geraumer Zeit nur noch digital zu empfangen, im
Oktober folgt das ZDF, im Frühjahr ORF", bestätigt Landeshauptmann Luis
Durnwalder. Demnach stehen den Besitzern analoger Empfangsgeräte düstere (Fernseh-)Zeiten
bevor, es sei denn, sie rüsten technisch auf. "Wer ein 'normales' Fernsehgerät
hat, kann dieses mit einem Zusatzgerät für den digitalen Empfang ausrüsten, das
rund 70 bis 80 Euro kostet", so der Landeshauptmann. Für diejenigen, die die
Umstellung zum Anlass nehmen wollen, um ein neues Fernsehgerät zu kaufen, gibt
es staatliche Steuererleichterungen. "Wir wollen die Südtirolerinnen und
Südtiroler nur früh genug auf die Änderungen hinweisen, damit sie sich auch
darauf einstellen können", so Durnwalder.
Erschließungskosten des Gewerbegebiets Bozen Süd werden gesenkt
Die Erschließungskosten für das neue Gewerbegebiet südlich der Einsteinstraße in
Bozen Süd werden gesenkt - zumindest für die sich dort ansiedelnden Unternehmen.
"Wir haben die Kosten neu berechnet und dabei alles herausgenommen, was nicht
allein der Erschließung der Unternehmen dient", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder. So stehe die neu zu bauende Etschbrücke nicht allein im Dienst der
Unternehmen und auch die breite Zufahrtsstraße könne nicht allein diesen
angelastet werden. "Die Kosten für diese Arbeiten wird gänzlich das Land
übernehmen, damit können wir die Erschließungskosten für die Unternehmen um ein
rundes Drittel senken", so Durnwalder.
Methan: Preise sollen gesenkt werden
An Südtirols Tankstellen kostet das Methan im Durchschnitt mehr als im
restlichen Staatsgebiet. Auch variieren die Preise innerhalb des Landes
beträchtlich: "Wir haben eine Spanne von 0,79 bis 0,99 Eurocent pro Kilogramm zu
verzeichnen", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute. Der Grund dafür liege in
einem Staatsgesetz, das es den Methanlieferanten erlaube, Zuschläge auf den
Methanpreis zu erheben. "Die Snam, die den Großteil der Tankstellen in Italien
beliefert, verzichtet auf diese Zuschläge, die Preise sind deshalb niedriger",
so der Landeshauptmann. Hierzulande würden Tankstellen auch von Unternehmen wie
Selgas, Energas, Südgas oder den Etschwerken mit Methan beliefert. "Wir werden
über unsere Vertreter in den Verwaltungsräten auf diese Unternehmen einwirken,
damit auch sie auf die Zuschläge verzichten", so Durnwalder. Dies, um
umweltfreundliche methanbetriebene Fahrzeuge auch weiter fördern zu können.
CAE: Kranke Ziegen werden ausgemerzt
Einem umfangreichen Programm zur Bekämpfung der Ziegenkrankheit CAE (Caprine
Arthritis Encephalitis) hat die Landesregierung heute zugestimmt, nachdem die
hochinfektiöse Krankheit immer weiter um sich greife. "Wir haben in den letzten
beiden Jahren rund 15.000 Blutproben bei den 16.800 in Südtirol gehaltenen
Ziegen gezogen", so Landeshauptmann Luis Durnwalder, "wobei 24 Prozent davon mit
CAE infiziert waren." Aufgrund dieser großen Anzahl an Krankheitsfällen, wird
der Ausbreitung nun ein Riegel vorgeschoben, indem die erkrankten Tiere - es
sind noch rund 2500 - ausgemerzt werden sollen. "Für jedes geschlachtete
Nicht-Herdebuchtier zahlen wir eine Entschädigung in Höhe von 50 Euro, für jedes
im Herdebuch eingetragene infizierte und geschlachtete Tier 80 Euro", so der
Landeshauptmann.
Fischler im Verwaltungsrat von Schloss Tirol
Einen prominenten Neuzugang kann der Verwaltungsrat des Landesmuseums Schloss
Tirol verzeichnen: den ehemaligen EU-Agrarkommissar Franz Fischler. "Die Tiroler
Landesregierung hat Fischler auf der Grundlage eines Kooperationsabkommens
namhaft gemacht", so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Dieses Abkommen sieht eine
verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Landesmuseen dies- und jenseits des
Brenners vor, wobei diese auch institutionell durch den Austausch von
Verwaltungsräten zum Ausdruck kommt. Während Franz Fischler also in den
Verwaltungsrat von Schloss Tirol ernannt worden ist, sitzt für Südtirol Hans
Grießmair im Verwaltungsrat der Tiroler Landesbetriebsgesellschaft der fünf
Landesmuseen.
St. Georgen: Alle E-Werks-Anträge abgewiesen
Kein E-Werk wird in St. Georgen bei Bruneck gebaut. Die entsprechenden Anträge
von sechs verschiedenen Unternehmen sind heute von der Landesregierung
begutachtet und allesamt abgelehnt worden. |