 |
BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 7. APRIL 2008
LPA - Eine Reihe schwergewichtiger Themen stand heute (Montag, 7. April) auf der
Sitzung der Südtiroler Landesregierung zur Behandlung an: Es ging um Südtirols
Energiepolitik beziehungsweise die bevorstehende Unterzeichnung des Vertrags
zwischen Sel und Edison, die Erweiterung und den Umbau des Krankenhauses von
Bozen, die Familienpolitik und die Abwicklung der Landtagswahlen im kommenden
Herbst.
ENERGIE: Vertrag unterschriftsreif
Eine einzige Landesenergiegesellschaft, die für die Produktion und die
Verteilung von Strom im Lande sorgt, strebt die Landesregierung nach den Worten
von Landeshauptmann Luis Durnwalder als Fernziel im Energiebereich an. Nahziel
ist hingegen die für Freitag anberaumte Unterzeichnung des Vertrags zwischen der
Südtiroler Energiegesellschaft Sel und dem Energiekonzern Edison. Durch den
Vertrag wird sich die Sel beziehungsweise das Land als deren Mehrheitsaktionär
die Aktienmehrheit an einer neuen Gesellschaft sichern, die die sieben
Kraftwerke in Südtirol betreiben wird. Im Rahmen der heutigen Regierungssitzung
wurden verschiedene Vertragsinhalte besprochen, darunter die Übernahmekosten,
die Liegenschaftsregelungen, die Ernennung der Verwaltungsräte und des
Präsidenten. Der Landeshauptmann, der die Verhandlungen zur Chefsache erklärt
hatte, sprach heute von einem äußerst wichtigen Augenblick für Südtirols
Energiepolitik: „Wir erhalten die Möglichkeit, Energiepolitik zu machen.“
Durnwalder sprach sich außerdem für eine umgehende Einbeziehung der Gemeinden,
für die Ausgabe von Volksaktien sowie für eine Zusammenarbeit mit den
bestehenden Energiebetrieben aus.
KRANKENHAUS BOZEN: Abteilungen werden erneuert
Die Erneuerung der Bettenstationen in den Stockwerken vier bis acht im Bozner
Krankenhaus soll umgehend in Angriff genommen werden. Das hat die
Landesregierung heute nach eingehender Debatte beschlossen. Demnach soll
jährlich ein Stockwerk umgebaut werden. Die jährlichen Umbaukosten werden rund
40 Millionen Euro betragen. Genehmigt wurden heute auf Vorschlag von Landesrat
Richard Theiner die Raumprogramme für den Umbau der Bettenstationen sowie für
einen Verbindungstunnel zwischen Krankenhaus-Hauptgebäude und dem im Bau
befindlichen neuen Klinikum. „In Abweichung zu einer Entscheidung der
Landesregierung aus dem Jahr 2001 haben wir uns für eine umgehende Erneuerung
der Bettenstationen ausgesprochen, die stufenweise durchgeführt werden soll“, so
der Landeshauptmann zur heutigen Entscheidung, „ursprünglich sollte die
Erneuerung erst nach Fertigstellung des im Bau befindlichen Klinikums samt
Tiefgarage im Jahr 2014 in Angriff genommen werden.“ Nach den Worten von LH
Durnwalder habe man sich dafür entschieden, die Arbeiten vorzuziehen, da die
derzeitigen Krankenzimmer nicht mehr den Anforderungen und Bedürfnissen
entsprächen, es gäbe noch viele Vier-Bett-Zimmer und gemeinschaftlich genutzte
Sanitäranlagen. Durch den Umbau würde die Bettenzahl von derzeit 719 im
Hauptgebäude zwar verringert, hinzu kämen aber 260 neue Betten im Klinikum, was
einer Gesamtbettenzahl von 860 gleichkäme.
FAMILIENPOLITIK: Bilanz gezogen
Die Zahlen sprechen für sich: Die jährlichen Aufwendungen für Familien des
Landes und der Region haben sich in dieser Legislaturperiode im Vergleich zur
vorhergehenden von 17,5 auf 57,8 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Ähnliches
gilt für die Reichweite der Maßnahmen. „Es ist in den vergangenen vier Jahren im
Bereich der Familienpolitik sehr viel passiert“, erklärte auf der heutigen
Montagspressekonferenz der Landeshauptmann. Als Maßnahmen zählte er das
Familiengeld, die Rentenvorsorge, den Ausbau der Kleinkinderbetreuung sowie der
Schulausspeisung, die außerschulische und Sommerbetreuung von Kindern und
Jugendlichen auf. Darüber hinaus habe das Land auch verschiedene Initiativen und
Hilfen gestartet, um Familien zu unterstützen und zu stärken, wie das
Elterntelefon, verschiedene Fort- und Weiterbildungsinitiativen und die
Informationsbroschüre "Familieninfo". Die Landesregierung hat heute damit
begonnen, eine Bilanz der Familienpolitik zu ziehen. „Auf der Grundlage des
Koalitionsprogramms wollen wir dann entscheiden, ob wir unsere Vorgaben erfüllt
haben, oder ob in dieser Legislaturperiode noch weitere Maßnahmen zu treffen
sind“, so LH Durnwalder, der in diesem Zusammenhang die Armutsbekämpfung bei
Mindestrentenempfängern als Anliegen der Landesregierung erwähnte.
Der Landeshauptmann kündigte zudem an, dass die Landesregierung alle
Schlüsselbereiche einer solchen Überprüfung unterziehen wolle.
LANDTAGSWAHLEN 2008: Zwei Millionen Euro
Die Durchführung der Landtagswahlen fällt bereits seit der vergangenen
Legislaturperiode in den Zuständigkeitsbereich des Landes. Heute stellte die
Landesregierung zwei Millionen Euro für diesen Zweck bereit. Das Geld geht zu
einem Teil an den Gemeindenverband (950.000 Euro). Die restlichen Geldmittel
werden den einzelnen Gemeinden zugewiesen. Diese erhalten einen Fixbetrag von
2035 Euro sowie 1,74 Euro für jeden Wähler. Außerdem stehen Geldbeträge für die
Schulung der Präsidenten der Wahlkommissionen bereit. Finanzielle Anreize wird
es außerdem für die digitale Übermittlung der Daten geben.
BBT: Plattform Zulaufstrecken
Um Körperschaften und Bevölkerung auf Bezirks- und Ortsebene in die Errichtung
der Zulaufstrecken zum Brenner-Basistunnel einzubinden, soll die „Plattform
Zulaufstrecken“ eingerichtet werden. Diese Plattform wird primär
Informationsaufgaben wahrnehmen. Sie soll aus einem Führungsgremium und
Arbeitsgruppen bestehen. Während dem Führungsgremium die drei Bezirke sowie der
Schienennetzbetreiber RFI sowie der Vorsitzende der Beobachtungsstelle für
Umwelt und Arbeitsschutz als Vorsitzender angehören werden, sind in den
Arbeitsgruppen, die fallweise nach Baulosen eingesetzt werden, vor allem die
betroffenen Gemeinden vertreten. Die Landesregierung ermächtigte heute den
Landeshauptmann zur Unterzeichnung eines Einvernehmensprotokolls zur
Plattform-Errichtung mit der Gesellschaft RFI, die für die Errichtung der
Zulaufstrecken zuständig ist.
WALDDORFSCHULE BRIXEN akkreditiert
Die Privatschule „Freie Walddorfschule Brixen“ wurde von der Landesregierung auf
der Grundlage der entsprechenden Richtlinien aus dem Jahr 2005 akkreditiert.
Diese Anerkennung als Bildungseinrichtung von Landesinteresse bringt auch eine
Anhebung des Prozentsatzes der Betragsbemessung um fünf Prozent mit sich
GLASFASERNETZ soll weiter wachsen
Bis 2008 soll das landesweite Glasfaserkabelnetz geknüpft sein. Voraussetzungen
für den Abschluss der Arbeiten schuf heute die Landesregierung. So wurde das
Projekt für den Abschnitt Franzfeste-Brenner und die Kosten von 1,8 Millionen
Euro genehmigt, ebenso wie der Anschluss von Kastelruth ans Glasfaserkabelnetz
mit geschätzten Kosten von 80.000 Euro. Für den noch ausstehenden Abschnitt von
Bozen nach Salurn strebt die Landesregierung eine kosten- und flächensparende
Lösung an: Das Kabel soll in einem bereits vorhandenen Rohr verlegt werden.
BRENNERCOM: Verwaltungsrat erweitert
Bezüglich des Aktienverkaufs der Brennercom hat die Landesregierung heute keine
Entscheidung getroffen. Im Hinblick auf die anstehende ordentliche
Vollversammlung soll hingegen der Verwaltungsrat von vier auf fünf Mitglieder
erweitert werden. Das Land wird durch Alois Kofler und Karl Manfredi sowie
Albert Wurzer vertreten sein. Weitere Mitglieder sind Andrea Brillo und
Ferdinand Willeit. Der Aufsichtsrat setzt sich aus Mario Biddiri, Anton Pichler
und Ferdinand Rainer zusammen.
ERZEUGERGENOSSENSCHAFTEN: Warenliste erweitert
Landwirtschaftliche Erzeugergenossenschaften dürfen in Zukunft neben den
selbsterzeugten Produkten auch von landwirtschaftlichen Betrieben in Südtirol
produzierte Kräuter, Honig, Sirupe, Säfte, Fruchtzubereitungen, Dörrobst, Milch
und Käseprodukte, Essig, Eier, Brot, Destillate, Liköre und andere Erzeugnisse
verkaufen, die das Zeichen des „roten Hahnes“ tragen. Diese Entscheidung traf
heute die Landesregierung. Sie legte mit Beschluss fest, welche Erzeugnisse als
landestypische Nahrungsmittel zu gelten haben und somit von den
landwirtschaftlichen Genossenschaften in den Gewerbegebieten im Detailhandel
verkauft werden können. Bekanntlich ist Detailhandel in Gewerbegebieten
untersagt. Eine Ausnahme gilt für die landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften, die im Sinne eines Landesgesetzes aus dem Jahr 1997
in Südtirol erzeugte Produkte verkaufen können. Um was es sich dabei im
einzelnen handelt, hat die Landesregierung nun festgelegt. Der Beschluss tritt
nach seiner Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft.
AMBULATORIUMSFACHÄRZTE: Neuer Vertrag
Der Vertrag für die 25 in Südtirol tätigen Ambulatoriumsfachärzte ist
unterschriftsreif. Die Landesregierung stimmte dem Vertragsentwurf heute zu. Der
neue Vertrag umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 2008 bis zum 31. Dezember 2010
und wird für das Land Mehrkosten von 300.000 Euro mit sich bringen.
|