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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 11. FEBRUAR 2008
(LPA) Die Entwicklung der Europäischen Akademie stand heute (11. Februar) im
Mittelpunkt der Sitzung der Landesregierung. Gleichzeitig hatte sie auch über
den Verkauf von Aktien der Brennercom AG zu entscheiden und das Hochbauprogramm
zu begutachten.
Eurac baut Forschungstätigkeit aus
Im Gespräch mit den Vertretern der Europäischen Akademie in Bozen (Eurac) hat
die Landesregierung heute die Entwicklungsperspektiven der Forschungseinrichtung
geklärt. Derzeit verfügt die vor 15 Jahren gegründete Eurac über 180 bis 200
Mitarbeiter, die 150 Projekte verfolgen. Das Budget der Einrichtung belief sich
im Vorjahr auf 14 Millionen Euro, von denen sechs Millionen Euro das Land
beigesteuert hat. "Der Rest finanziert sich aus anderen Quellen, etwa der EU,
aber auch aus den Zahlungen der Auftraggeber der einzelnen Projekte", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder.
Mit der Landesregierung ist heute geklärt worden, in welche Richtung der Ausbau
der Forschungstätigkeit der Eurac in den kommenden Jahren gehen solle. "Die
interessantesten Forschungsgebiete sind Energie, Medizin, Umwelt und ländliche
Entwicklung", so der Landeshauptmann. Allerdings brauche die Eurac für ihre
Expansion mehr Mitarbeiter und mehr Platz. "Die Berechnungen der Eurac gehen
davon aus, dass man rund hundert Mitarbeiter mehr brauche, die allerdings auch
projektbezogen engagiert und nicht allesamt fix eingestellt werden sollen",
erklärte Durnwalder heute.
Zudem solle der Eurac-Sitz in der Drususallee ausgebaut werden. "Hier liegt ein
Projekt vor, das einen Zubau im Westen vorsieht und rund neun Millionen Euro
kosten würde", so der Landeshauptmann, der unterstreicht: "Die Landesregierung
ist grundsätzlich mit der Expansion der Eurac - sowohl in räumlicher wie in
programmatischer Hinsicht - einverstanden, wir sind auch bereit, die Mittel in
Maßen zu erhöhen, wir fordern aber, dass das Gros des Mehraufwandes aus anderen
Quellen finanziert wird", erklärte Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung
der Landesregierung.
Brennercom: Land trennt sich von Mehrheit
In Zukunft wird das Land nur noch Minderheitseigentümer der Brennercom AG sein.
Die Landesregierung hat heute auf Antrag von Informatik-Landesrat Hans Berger
beschlossen, sich von einem Teil der 46.000 Aktien zu trennen, die dem Land eine
Anteilsmehrheit in Höhe von 64,64 Prozent an der Brennercom gesichert hatten.
Verkaufen wird das Land genau 22,29 Prozent der Aktien, dazu kommen weitere 2,71
Prozent, die die Gemeinde Bozen derzeit an der AG hält. "Gemeinsam werden das
Land und die Gemeinde Bozen demnach 25 Prozent der Aktien der Brennercom AG zum
Verkauf anbieten", so Landeshauptmann Luis Durnwalder.
Durnwalder betonte im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung, dass diese
mit ihrer Beteiligung an der Brennercom nicht nur ein öffentliches Interesse -
die flächendeckende Versorgung mit Telekommunikationsdiensten - wahrgenommen,
sondern auch ein gutes Geschäft gemacht habe. "Wir haben für unsere Aktien rund
595 Euro pro Stück ausgegeben und rechnet man eine angemessene Verzinsung dazu,
kommen wir auf geschätzte Kosten pro Aktie von rund 704 Euro", so der
Landeshauptmann. Anbieten wolle man die Aktien um den doppelten Preis, sodass
man sich Einnahmen von rund 14,45 Millionen Euro verspricht. "Damit würden wir
einen Gewinn in Höhe von 8,345 Millionen Euro machen", erklärte Durnwalder heute
im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung.
Der Verkauf eines Teils der landeseigenen Brennercom-Aktien solle nur der erste
Privatisierungsschritt sein. Ein zweiter werde folgen, wenn sich das Land
gänzlich vom Meraner Thermenhotel trennen wird. "Wir verhandeln bereits mit
mehreren Interessenten, wobei es immer nur um das Hotel und nicht um die
Thermenanlage geht, die weiterhin öffentlicher Besitz bleiben wird", so
Durnwalder. Privatisierungs-Schritt Nummer drei könnte danach im Energiesektor
folgen. "Allerdings wollen wir das Fell des Bären nicht verteilen, bevor wir den
Bär erlegt haben", erklärte der Landeshauptmann mit Verweis auf die noch
laufenden Verhandlungen mit den italienischen Stromriesen.
Wohnbauförderung: Gesetzentwurf steht
Der Entwurf für die Novellierung des Landesgesetzes zur Wohnbauförderung ist
heute von der Landesregierung grundsätzlich abgesegnet worden. Darin findet sich
eine Reihe von Neuerungen, etwa die Mittelstandsförderung, die getrennten
Ranglisten für Einheimische und Auswärtige samt der entsprechenden
Mittelzuweisung, die Abschaffung der Landesüberwachungskommission, die
Neuregelung der Zwangsversteigerung, jene des Mietgeldes sowie die Verkleinerung
des Verwaltungsrats des Wohnbauinstituts. "Wir werden den Text nun den
Koalitionsparteien übermitteln, damit diese die Gelegenheit bekommen, ihn zu
überprüfen und uns ihre Stellungnahmen zukommen zu lassen, bevor wir ihn
endgültig gutheißen", so Landeshauptmann Luis Durnwalder, dessen Ziel es ist,
die Wohnbaunovelle noch vor Ende der Legislaturperiode im Landtag zu
verabschieden.
Hochbauprogramm verabschiedet: 94 Millionen Euro
94 Millionen Euro stehen in diesem Jahr für die Verwirklichung öffentlicher
Bauten bereit. Dies hat Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an
die Sitzung der Landesregierung mitgeteilt, bei der das Hochbauprogramm des
Landes genehmigt worden ist. "Uns liegen nicht weniger als 176 Projekte vor, für
die wir rund 643 Millionen Euro ausgeben müssten", so der Landeshauptmann.
Geld, das man nicht habe, weshalb es Prioritäten zu setzen gelte. So fließen 67
der zur Verfügung stehenden 94 Millionen Euro in jene Projekte, für die es
bereits Mehrjahres-Finanzierungsprogramme gibt. Weitere 14 Millionen Euro fallen
für laufende Arbeiten an. Mit dem Rest sollen neue Vorhaben finanziert werden,
für die bereits die Planung abgeschlossen ist (1,1 Millionen Euro), dazu
Projekte, für die es schon ein Raumprogramm gibt (4,4 Millionen Euro), und auch
Altlasten bereits beendeter Bauten sollen damit finanziert werden (3,5 Millionen
Euro).
22 Millionen Euro für Straßen-Instandhaltung
Damit Südtirols Autofahrer auch weiterhin vor schlagloch-übersäten Straßen
verschont bleiben, investiert die Landesregierung im laufenden Jahr 22 Millionen
Euro in entsprechende Instandhaltungsarbeiten. Mit 10,6 Millionen Euro werden
die Landesstraßen auf Vordermann gebracht, 11,1 Millionen Euro fließen in die
Staatsstraßen.
Dienstleistungen: Landesregierung stellt sich Verfahren
Beschlossen hat die Landesregierung heute auch, sich in das Verfahren vor dem
Verfassungsgericht einzulassen, das ansteht, nachdem der Staat das Landesgesetz
zu den lokalen öffentlichen Dienstleistungen angefochten hatte. "Es geht vor
allem um die Regelung der Vergabe von Dienstleistungen an Gesellschaften, an
denen das Land selbst beteiligt ist", erklärte dazu Landeshauptmann Luis
Durnwalder. Zudem wurde auch die Auslagerung von Dienstleistungen angefochten,
etwa wenn es um den Rettungsdienst geht.
Das Vorgehen der Landesregierung wird in dieser Hinsicht ein zweigleisiges sein:
"Wir werden uns ins Verfahren einlassen, wir werden gleichzeitig aber auch den
Einwänden des Staates und der EU Rechnung tragen und das Landesgesetz
entsprechend abändern", so der Landeshauptmann. Dies solle über einen Artikel im
Omnibusgesetz geschehen, der das Verfahren vor dem Verfassungsgericht
letztendlich obsolet machen soll.
"Multienergy"-Tankstelle in Bozen Süd
An der Einsteinstraße in Bozen Süd wird die erste "Multienergy"-Tankstelle des
Landes entstehen. "An dieser Tankstelle wird man alle gängigen Formen von
Treibstoff erstehen können, bis hin zum Wasserstoff", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der Landesregierung. Ins Auge
gefasst hat die Landesregierung den Ausbau der bereits bestehenden "Alpengas"-Tankstelle,
mit der eine entsprechende Vereinbarung geschlossen werden soll. "Falls
notwendig, werden wir der Tankstelle auch zusätzlichen Grund zuweisen", so der
Landeshauptmann.
ESF: Organisation wird angepasst
Den Anmerkungen der EU wird die landesinterne Organisation der Verwaltung des
Europäischen Sozialfonds (ESF) angepasst. Über diesen Fonds fließen bis 2013
mehr als 160 Millionen Euro nach Südtirol, die vor allem der Verbesserung des
Humankapitals, also der Aus- und Weiterbildung, zugute kommen. Bisher war die
gesamte Verwaltung des Fonds in Südtirol bei der ESF-Dienststelle des Landes
angesiedelt. Dieser verbleiben in Zukunft noch die Überprüfung der eingegangenen
Förderungsanträge, die Auswahl der förderungswürdigen Projekte und deren
Begleitung.
"Allerdings wird es nicht mehr die ESF-Dienststelle sein, die die Beiträge
ausbezahlt", so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Vielmehr werde diese Aufgabe
von der EU-Zahlstelle wahrgenommen, die die Landesregierung in der
Landesabteilung Präsidium angesiedelt hat. Was schließlich die Kontrolle über
die Verwendung der ESF-Mittel betrifft, so wurde eine dritte Institution damit
beauftragt. Es ist dies die Prüfstelle des Landes, die die korrekte Gebahrung
der ESF-Mittel überprüfen wird.
Enteignungsgesetz: Vergütungen neu geregelt
Mit dem Entwurf zum neuen Enteignungsgesetz hat sich die Landesregierung heute
noch einmal befasst. Dabei hat man die Vergütungen angepasst. So wird es bei
Enteignungen für öffentliche Zwecke innerhalb der geschlossenen Ortschaften eine
Entschädigung in Höhe von 75 Prozent des Baugrundpreises geben. Ursprünglich
hatte man 80 Prozent ins Auge gefasst, mittlerweile habe aber auch der Staat
diesen Wert auf 75 Prozent korrigiert.
Bei Enteignungen für Erweiterungszonen variiert die Entschädigung dagegen mit
der Höhe des Anteils, der vom zu Enteignenden auf dem freien Markt angeboten
werden kann. "Wenn wir nur 50 Prozent eines Grundstücks enteignen und der
Besitzer die verbleibende Hälfte frei verkaufen kann, werden wir auch nur 50
Prozent des Baugrundpreises zahlen, wenn wir 75 Prozent enteignen, zahlen wir 75
Prozent und wenn wir das gesamte Grundstück enteignen, hundert Prozent des
Baugrundwertes", so der Landeshauptmann.
Bergrettung: Fast eine Million Euro zur Verfügung
Fast eine Million Euro, genauer: 982.000 Euro, hat die Landesregierung heute für
die Organisation der Bergrettung im Lande zur Verfügung gestellt. Das Geld geht
zu 60 Prozent an den Bergrettungsdienst im AVS, zu 40 Prozent an dessen Pendant
im italienischen Alpenverein CAI.
Vier Millionen Euro für Zivilschutz
Für Investitionen stehen dem Sonderbetrieb für Feuerwehr- und Zivilschutzdienste
im laufenden Jahr vier Millionen Euro zur Verfügung. Die Landesregierung hat die
entsprechende Mittelzuweisung heute genehmigt.
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