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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 3. MÄRZ 2008
(LPA) Das Reglement zur Vergabe des neuen Verdienstordens des Landes Südtirol
stand heute im Mittelpunkt der Sitzung der Landesregierung. Dazu kamen Themen
wie die Vergabe externer Aufträge, das geplante "Thuniversum" am Virgl, der
Stabilitätspakt für die Uni Bozen und nicht zuletzt die heikle Frage allzu
vieler Radarfallen im Lande.
Verdienstorden: Reglement ausgearbeitet
In Zukunft wird auch das Land Südtirol eigene Verdienstorden verleihen, und zwar
unabhängig und nicht in Konkurrenz zu den Gesamttiroler Ehrungen, die man
bereits seit Jahren mit dem Bundesland Tirol verleihe. "Während diese Ehrungen
an Tiroler dies- und jenseits des Brenners verliehen werden, kann unser
Verdienstorden nur verdienten Persönlichkeiten zuerkannt werden, die ihren
Wohnsitz außerhalb Südtirols haben und deren Tätigkeit, für die sie geehrt
werden, sich außerhalb des Landes abgespielt hat", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder heute nach der Verabschiedung des Reglements durch die
Landesregierung.
Geben wird es demnach zwei Kategorien, und zwar den Verdienstorden und den
Großen Verdienstorden des Landes Südtirol. Verliehen werden die Orden an
Persönlichkeiten von internationalem Ruhm, die sich kulturell, politisch oder in
Minderheitenfragen um Südtirol verdient gemacht haben. "Um eine Inflation zu
vermeiden, haben wir die Zahl der lebenden Träger der Orden begrenzt, und zwar
auf hundert für den Großen Verdienstorden und auf 150 für den Verdienstorden",
so Durnwalder.
Geplant ist, einmal jährlich abwechselnd den Verdienstorden und den Großen
Verdienstorden zu verleihen. Beide Orden sind in Gold und Silber gehalten und im
Rahmen eines Wettbewerbs ausgesucht worden. Die nun vorliegenden Ehrenzeichen
sind in Zusammenarbeit der Fakultät für Design der Uni Bozen mit einem Bozner
Goldschmied entstanden. "Es sind meines Erachtens sehr schöne Orden geworden",
erklärte heute der Landeshauptmann.
Durnwalder kündigte heute auch an, gemeinsam mit seinem Amtskollegen Herwig van
Staa die Kriterien zu überarbeiten, die der Vergabe der Gesamttiroler
Auszeichnungen zugrunde liegen. "Wir wollen in Hinblick auf das Gedenkjahr 2009
die Kriterien so abändern, dass in Zukunft auch verdiente italienischsprachige
Südtiroler geehrt werden können, was derzeit noch nicht möglich ist", so
Durnwalder.
Radarkontrollen: Weniger ist mehr
Mit einiger Skepsis betrachtet die Landesregierung das Überhandnehmen fixer
Radarfallen im Land. "Wir sind zwar auch der Meinung, dass das Rasen unterbunden
werden muss, haben aber den Eindruck gewonnen, dass so manche Radarfalle weniger
der öffentlichen Sicherheit dient, als als zusätzliche Einkommensquelle", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder. Dieser Entwicklung gelte es, einen Riegel
vorzuschieben. "Wir werden nun rechtlich überprüfen, in welchen Fällen allein
die Gemeinden für das Anbringen einer Radarfalle zuständig sind, und in welchen
Fällen auch eine Zustimmung des Landes vorliegen muss", so Durnwalder. In
letzteren Fällen wolle man Einzelfall für Einzelfall genauestens überprüfen, und
zwar vor allem dann, wenn die Starenkästen an Staats- oder Landesstraßen
angebracht werden sollen. Denn: "Es soll nicht so sein, dass an jeder Ecke
kontrolliert wird", so der Landeshauptmann.
Den konkreten Aufhänger für die heutige Diskussion in der Landesregierung
lieferte der Antrag einer Gemeinde im Raum Meran, die eine zusätzliche
Radarfalle anbringen wollte.
"Thuniversum" am Virgl: Landesregierung will Konzept sehen
Auch das Vorhaben der Firma "Thun", am Virgl in Bozen ein "Thuniversum" zu
errichten, wurde heute von der Landesregierung behandelt. Allerdings befand man,
nicht über ein Konzept entscheiden zu wollen, das man nicht im Detail kenne.
"Aus diesem Grund wollen wir uns am kommenden Montag von den Verantwortlichen
das Konzept vorstellen lassen, damit wir uns ein detailliertes Bild von der
Einrichtung machen können", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute nach der
Sitzung der Landesregierung.
Bereits jetzt hat diese allerdings einige Rahmenbedingungen vorgegeben. "Wir
sind der Meinung, dass die gut einsehbaren Hänge des Virgl nicht verbaut werden
sollten", so der Landeshauptmann. Was dagegen die Fläche am Virgl betreffe, so
sei diese heute alles andere als eine Naherholungszone und bedürfe einer
Aufwertung. "Ich bin sicher, dass wir in Zusammenarbeit von Land, Gemeinde
Bozen, Firma 'Thun' und der Umweltverbände zu einer guten, landschafts- und
umweltkompatiblen Lösung für den Virgl kommen können", so Durnwalder.
Vergabe von Aufträgen an pensionierte Mitarbeiter
Mit der Vergabe von Aufträgen an ehemalige Mitarbeiter des Landesbetriebs hat
sich die Landesregierung heute befasst. Grund dafür ist ein Fall, den der
Rechnungshof beanstandet hatte und in dem einem in Frühpension gegangenen
Mitarbeiter vor Ablauf der sonst üblichen Fünf-Jahres-Frist ein Auftrag zur
Koordinierung der Bildungsmesse gegeben worden war.
"Es stimmt, dass das entsprechende Landesgesetz vorsieht, dass Frühpensionisten
bis zu fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden kein Auftrag gegeben werden darf", so
Landeshauptmann Durnwalder heute. Diese Regelung sei auch sinnvoll, um
eventuelle Bevorzugungen von vornherein auszuschließen. Allerdings fehle zum
entsprechenden Landesgesetz noch die Durchführungsverordnung, die das Gesetz
erst anwendbar mache. "In der Verordnung muss geregelt werden, wem wann welcher
Auftrag gegeben werden kann", so Durnwalder, der heute betonte, dass es ein
Fehler gewesen sei, die Verordnung noch nicht verabschiedet zu haben. Ein
Fehler, den man umgehend gutmachen wolle: "Wir haben heute der zuständigen
Landesabteilung den Auftrag gegeben, so schnell wie möglich einen Entwurf zu
erarbeiten", erklärte der Landeshauptmann heute.
Im konkreten Fall führt Durnwalder neben der rechtlichen Begründung auch noch
eine logische an, um zu erklären, warum man vor Ablauf der Fünf-Jahres-Frist
einen Auftrag erteilt habe. "Der Beauftragte hat vor seiner Pensionierung
bereits die Koordinierung der Messe übernommen und sollte diese beibehalten, bis
die Messe auch tatsächlich über die Bühne gegangen war", unterstrich der
Landeshauptmann. In jedem Fall werde man den Richtern des Rechnungshofs nun die
notwendigen Erklärungen zum Fall geben und die Beauftragung begründen.
Freie Universität Bozen: Kein Stabilitätspakt mit Rom
Auch in einem zweiten Fall beschäftigte die Landesregierung heute ein Vorgehen
des Rechnungshofs. Dieser hatte beanstandet, dass die Freie Universität Bozen
den staatlichen Stabilitätspakt nicht eingehalten habe. Wie Landeshauptmann Luis
Durnwalder heute ausführte, sei dies auch nicht notwendig gewesen. "Die Uni ist
eine private Körperschaft und damit nicht an den staatlichen Stabilitätspakt
gebunden", so Durnwalder. Nachdem aber das Land der Hauptfinanzier der Uni sei,
habe dieses in einem entsprechenden Abkommen mit der Universtität dafür gesorgt,
dass die Uni bestimmte Sparziele einhalte. "Rom gegenüber sind aber nur wir als
Land Rechenschaft schuldig und nicht einzelne, von uns finanzierte
Körperschaften, wie etwa auch die Gemeinden", so der Landeshauptmann.
Programm für Chancengleichheit abgesegnet
Grünes Licht gab's heute für das Jahresprogramm des Landesbeirats für
Chancengleichheit, das der Landesregierung vorgelegt worden war. Darin ist ein
Finanzrahmen von 296.000 Euro vorgesehen, der für Veranstaltungen, Tagungen,
Vortragsreihen, Kampagnen und Publikationen ausgeschöpft werden soll. Ein
Schwerpunkt der Arbeit des Landesbeirats für Chancengleichheit liegt in diesem
Jahr auf dem 60. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts.
Beiträge für 800 Pendler
800 Pendlern hat die Landesregierung heute Beiträge in Höhe von insgesamt
304.000 Euro zugestanden.
Nationalpark Stilfser Joch: Jahresprogramm gutgeheißen
Das Tätigkeitsprogramm der Nationalparkverwaltung Stilfser Joch hat die
Landesregierung heute gutgeheißen. Demnach stehen der Parkverwaltung von
Südtiroler Seite 732.000 Euro zur Verfügung.
Personennahverkehr bekommt zehn Millionen Euro
10,45 Millionen Euro hat die Landesregierung für die Ausgaben im Bereich des
öffentlichen Personennahverkehrs zur Verfügung gestellt. Damit werden Kosten in
den Monaten Jänner bis März gedeckt.
Großmarkthalle: Verwaltungsrat wird verkleinert
Der Verwaltungsrat der Bozner Großmarkthalle wird verkleinert. Dies hat die
Landesregierung heute entschieden. Wie Landeshauptmann Luis Durnwalder im
Anschluss an die Sitzung der Landesregierung erklärte, sollten künftig nicht
mehr fünf, sondern drei Verwaltungsratsmitglieder über die Geschicke der
Großmarkthalle wachen. Je ein Mitglied werde von Land, Gemeinde und
Handelskammer namhaft gemacht.
Invaliden: Einkommensgrenzen angehoben
Die Landesregierung hat schließlich die Einkommensgrenzen für den Bezug der
Beiträge für Invaliden, Blinde und Taubstumme erhöht. "Wir haben die Grenzen an
die Inflation angepasst und entsprechend nach oben korrigiert", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute nach der Sitzung der Landesregierung.
Demnach gilt als Höchtgrenze zur Gewährung der Rente an Vollinvaliden, Voll- und
Teilblinde sowie Taubstumme eine Summe von 14.466,57 Euro, für Teilinvaliden von
4238,26 Euro.
Auch wurden die Beträge der unterschiedlichen Leistungen angepasst. So beträgt
das Begleitgeld für Vollinvaliden nun 465,09 Euro. jenes für vollständig Blinde
733,41 Euro, die Sonderzulage für Blinde mit einem Rest an Sehvermögen 176 Euro,
die Kommunikationszulage für Taubstumme 233 Euro. Angewandt werden die
Erhöhungen mit Stichtag 1. Jänner 2008.
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