 |
BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 5. MAI 2008
LPA - Die hohen Lebenshaltungskosten und die schwindende Kaufkraft haben heute
(Montag, 5. Mai) die Landesregierung beschäftigt. „Wir sind an dem Punkt
angekommen, an dem es etwas zu unternehmen gilt“, erklärte Landeshauptmann Luis
Durnwalder. Die Landesregierung grenzte heute die Bereiche ab, in denen sie
Handlungsspielräume sieht. Über einzelne Maßnahmen soll in den nächsten
Sitzungen im Detail gesprochen werden.
FAMILIENPOLITIK UND STEIGENDE LEBENSHALTUNGSKOSTEN
Die Familienpolitik bildete den Schwerpunkt der heutigen Regierungssitzung.
Dabei stand der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund. Die steigenden
Lebenshaltungskosten, die schwindende Kaufkraft und die zunehmende Verarmung
stellten eine Problem dar, waren sich die Regierungsmitglieder einig. „Wir sind
an dem Punkt angekommen, an dem es etwas zu unternehmen gilt“, erklärte
Landeshauptmann Luis Durnwalder. Wer arbeite, solle die Gewähr haben, auch
finanziell über die Runden zu kommen. Im Verlauf der heutigen Sitzung definierte
die Landesregierung verschiedene Handlungsfelder, über die sie ausgleichend
einwirken könne. „Direkt können wir als Landesregierung recht wenig tun, da die
Steuerhoheit beim Staat liegt und auch die meisten Arbeitsverträge auf
gesamtstaatlicher Ebene ausgehandelt werden“, so der Landeshauptmann, der sich
allerdings von der Umsetzung der Wahlversprechen der neuen Regierung einige
Erleichterungen verspricht. Die Landesregierung ihrerseits legte heute ein
Dutzend Handlungsfelder fest, die in ihren Zuständigkeitsbereich fallen und über
die sie somit ausgleichend einwirken könnte. Dazu zählen die Festlegung des so
genannten Lebensminimus, das angehoben werden könnte, ebenso wie die Bezüge für
Zivilinvaliden. Der Zugang zu Sozialleistungen könnte durch eine Erhöhung der
Abzüge (z. B. für die zu Lasten lebenden Personen) erleichtert werden. Ins Auge
gefasst werden auch eine Verringerung der Autosteuer, der
Selbstkostenbeteiligung im Gesundheitswesen sowie der Abwasser- und Gas-Tarife,
ein Ausbau der Kostenbegünstigungen im öffentlichen Personenbeförderungsdienst
(z. B. für Senioren) und des Familiengeldes. In diesem Zusammenhang verwies der
Landeshauptmann allerdings darauf, dass die Ausgaben des Landes und der Region
zu Gunsten der Familien in dieser Legislaturperiode im Vergleich zu der
vorangegangenen verdreifacht worden seien. Als letzter Punkt wurde die
Errichtung des geplanten Einkaufszentrums in Bozen genannt, von dem man sich
eine preisdrückende Wirkung verspricht. Auf der Grundlage der heutigen Vorgaben
sollen nun für die einzelnen Maßnahmen Berechnungen gemacht und Verfahren
durchdacht werden. „Die Landesregierung hat für das Thema jeweils eine Stunde
der nächsten drei bis vier Sitzungen reserviert“, so LH Durnwalder.
BILDUNGSPOLITIK: GESETZESARTIKEL GEÄNDERT
„In der Schule sollen alle Partner ohne Streitigkeiten zusammenarbeiten können“,
so formulierte der Landeshauptmann heute im Anschluss an die Montagssitzung den
Wunsch der Landesregierung nach einem harmonischen und möglichst streikfreien
Ende des Unterrichtsjahrs. Bildungslandesrat Otto Saurer unterbreitete heute der
Landesregierung eine geänderte Fassung des umstrittenen Artikel 17 bis des
Bildungsgesetzentwurfs. Demnach soll die Initiative zur Zusammenarbeit mit
außerschulischen Institutionen den Schulen überlassen werden. Die autonome
Schule entscheidet, ob es eine Zusammearbeit mit den Musikschulen und anderen
externen Einrichtungen geben soll und, wenn ja, in welcher Form diese erfolgt.
Die Pflichtquote der Schule, also der Wahlpflichtbereich, kann nicht mehr
ausgelagert werden. Dies bedeutet, dass außerschulische Tätigkeiten künftig
ausschließlich im Rahmen des Wahlbereichs anerkannt werden können. Die
Landesregierung hat auch die ursprünglich vorgesehene Akkreditierung externer
Einrichtungen und Organisationen gestrichen. Sie wird lediglich allgemeine
Qualitätskriterien für die Anerkennungen im Wahlbereich festlegen. Der
abgeänderte Text des Gesetzentwurfs soll nun mit Gewerkschaften besprochen
werden, um den für kommenden Freitag ausgerufenen Streik doch noch abwenden zu
können. "Wir haben die ursprünglich vorgesehene Muss- in eine Kann-Bestimmung
geändertund damit die Autonomie der Schule ausgebaut", so Bildungslandesrat Otto
Saurer, der von einem Zeichen des guten Willens und Entgegenkommen gegenüber den
Gewerkschaften spricht.
GESUNDHEITSWESEN: NEUORDNUNG SCHREITET VORAN
Über die vorzubereitende klinische Neuordnung erstattete heute
Gesundheitslandesrat Richard Theiner Bericht. Mit dem Ziel einer
Qualitätssteigerung bei gleichzeitiger Kostenreduzierung sollen verschiedene
Bereiche stärker vernetzt, Dienste angemessen und wirksam angeboten, Doppel- und
Mehrfachbesetzungen vermieden und Spezialisierungen gezielt vorgesehen werden.
Aufgrund der festgelegten Richtlinien und Maßstäbe wird die zuständige
Fachkommission nun die entsprechenden Vorschläge ausarbeiten.
ABENDSCHULE WIRD WEITERGEFÜHRT
Auch in Zukunft soll die Bevölkerung in Südtirol die Möglichkeit haben, im
zweiten Bildungsweg die staatliche Oberschul-Abschlussprüfung nachzuholen. Das
hat die Landesregierung heute beschlossen und für die Fortführung der Schule im
kommenden Schuljahr 2008/09 310.000 Euro bereitgestellt. Die Abendkurse werden
in Bozen, Brixen, Bruneck, Schlanders, Meran und bei Bedarf auch in Sterzing
angeboten. Aufnahmevoraussetzung ist die Vollendung des 18. Lebensjahres.
STUDIENFÖRDERUNG: ÜBER 22 MILLIONEN
Für verschiedene Maßnahmen der Studienförderung stehen im akademischen Jahr
2008/09 22,765 Millionen Euro zur Verfügung. Der von Bildungslandesrat Saurer
vorgelegte Tätigkeitsplan wurde heute von der Landesregierung genehmigt.
BILDUNGSORDNUNG: GRUNDSÄTZE DEFINIERT
Die Grundsätze für die Erstellung der Bildungsordnungen für die Lehrberufe hat
die Landesregierung heute festgelegt. Im wesentlichen geht es dabei um die Dauer
der Lehre, die ursprünglich fünf Jahre umfasste, durch das so genannte Biagi-Gesetz
allerdings auf gesamtstaatlicher Ebene auf drei Jahre herabgesetzt wurde. Die
heute von der Landesregierung in erster Lesung verabschiedeten Grundsätze sind
eine Maßnahme zur Ordnung der Lehrlingsausbildung (LG 2/06). Vorgesehen wird,
dass Bildungsguthaben - je nach Schultyp und Schuljahr zur Gänze oder zu 50
Prozent - anerkannt werden. Die Lehre soll dann je nach Bereich drei bis
viereinhalb Jahre dauern. Die Dauer der Lehre für die einzelnen Berufe soll von
den Sozialpartnern festgelegt werden, die dafür 30 Tage Zeit haben.
WOBI-WOHNUNGEN: STUDIERENDE ALS UNTERMIETER
Mieter von Wohnungen des Wohnbauinstituts können künftig überschüssige Räume an
Studierende vermieten. Eine entsprechende Änderung der Durchführungsverordnung
zum Wohnbaugesetz hat die Landesregierung heute verabschiedet. Gleichzeitig
wurden auch die Voraussetzungen und bedingungen festgelegt, ebenso die
Untermiete, die 280 Euro bei Einzelbelegung eines Raumes und 180 Euro pro Kopf
bei Doppelzimmern nicht überschreiten darf. Ein Viertel des Betrages geht an das
Wohnbauinstitut.
OPERATION DAYWORK AM 7. MAI
Der 7. Mai wird für viele Südtiroler Oberschüler ein besonderer Tag werden. An
diesem Tag dürfen sie der Schule fern bleiben, um zu arbeiten. Der Verdienst aus
dieser Arbeit kommt der Entwicklungshilfe zu gute. An die tausend Jugendliche
werden in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen tätig sein. Auch der
Landesbetrieb wird an diesem Tag 50 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen und die
Jugendlichen für ihren Dienst mit 41 Euro pro Kopf entschädigen. Der Betrag, den
die Jugendlichen an diesem Tag erarbeiten, wird in Projekte der
Entwicklungszusammenarbeit fließen.
THERME MERAN
Nach der Veröffentlichung der Jahresbilanz 2007 der Therme Meran, hat sich nun
auch die Landesregierung mit dem Thema befasst. Landeshauptmann Durnwalder
bekräftigte nach der heutigen Sitzung den Standpunkt der Landesregierung, die
Therme zu übernehmen und das Thermen-Hotel zu verkaufen. „Wir haben
festgestellt, dass die Therme kostendeckend arbeitet“, so LH Durnwalder,
allerdings lasten jeweils vier Millionen Euro Amortisierungskosten und Zinsen
auf der Gesellschaft. Das Land wird die Liegenschaft übernehmen, eine
Gesellschaft wird die Thermenanlage führen. Da das Land niemals die Absicht
hatte, das Hotel zu führen, sondern nur zu bauen, soll das Hotel abgetreten
werden. Mehrere Angebote lägen bereits auf dem Tisch, so der Landeshauptmann.
KURVERWALTUNG MERAN WIRD SCHLANKER
Eine Abmagerungskur will die Landesregierung der 16-köpfigen Meraner
Kurverwaltung verordnen. Der Verwaltungsrat muss auf maximal sechs bis sieben
Mitglieder verkleinert werden. Offen ist noch die Frage, ob dafür eine
Gesetzesänderung notwendig ist.
|