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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 13. MAI 2008
LPA - Über Möglichkeiten, die Kaufkraft der Südtiroler zu stärken, und neue
Regelungen für die Einwanderung in Südtirol hat die Landesregierung heute, 13.
Mai, beraten. Die Südtiroler Bürger sollen genug Geld zum Leben haben und den
Einwanderern gegenüber nicht benachteiligt sein, sagte Landeshauptmann Luis
Durnwalder. Die Landesregierung hat außerdem beschlossen, 25 Prozent der Anteile
an der Brennercom zu verkaufen. Sie hat zudem neue Regelungen für das Bauen und
Fahren auf der Seiser Alm festgelegt.
Maßnahmen zur Steuerung der Einwanderung
Über die Kaufkraft, die Steuerpolitik und die Einwanderer in Südtirol hat die
Landesregierung heute eingehend diskutiert. „Wir wollen klären, ob in diesen
Punkten Verbesserungen möglich sind, allerdings sind keine großen Neuerungen zu
erwarten“, erklärte Landeshauptmann Durnwalder.
In punkto Einwanderer wird die Landesregierung den Kurs der vergangenen
Jahre fortsetzen und weniger Anträge für saisonale und nicht saisonale
Arbeitskräfte aus Nicht-EU-Ländern genehmigen. Bereits in den vergangenen Jahren
wurden von Jahr zu Jahr weniger Quoten zugewiesen. So gab es bei den
Saisonarbeitern aus den Nicht-EU-Ländern 2004 insgesamt 20.398 Anfragen,
zugewiesen wurden aber nur 12.000 Arbeitskräfte. Heuer wurden insgesamt 1200
saisonale Quoten zuerkannt. Anfragen gab es bis zum 8. Mai 2008 bereits 1087.
Auch die Anzahl der so genannten fixen Arbeitsgenehmigungen hat ständig
abgenommen. Gab es 2004 bei 1975 Anfragen noch 528 Genehmigungen, so waren es im
Vorjahr bei 1722 Anfragen nur 398 Genehmigungen. „Die Südtiroler Unternehmen
können über die Referenzbüros unbürokratisch Personal aus den EU-Länder, vor
allem aus den Mittel- Osteuropäischen Staaten bekommen und müssen nicht
Arbeitskräfte aus Pakistan, Tunesien und Albanien holen“, erläuterte Durnwalder.
Derzeit würden beispielsweise 3500 Deutsche in Südtirol arbeiten, so der
Landeshauptmann.
„Was Fördermaßnahmen anbelangt, sollen die Südtiroler nicht gegenüber den
Einwanderern benachteiligt werden“, unterstrich der Landeshauptmann. Weiterhin
sollten Einwanderer erst nach fünf Jahren Ansässigkeit bestimmte Dienste und
Förderungen in Anspruch nehmen können, so Durnwalder.
Im Bereich sozialen Wohnbau werden laut Durnwalder wie bereits mehrfach
erläutert künftig getrennte Budgets und getrennte Rangordnungen für Südtiroler
und Einwanderer geführt, nach denen Wohnungen zugewiesen werden.
Für den Schulbesuch sollen Einwandererkinder hinsichtlich
der Kenntnisse der Landessprachen noch besser vorbereitet werden.
Kaufkraft der Bürger stärken
In Sachen Kaufkraft analysiert die Landesregierung, wie den Bürgern geholfen
werden könne, um diese zu steigern. „Um die Steuern gerechter verteilen zu
können, verlangen wir vom Staat die Steuerhoheit“, betonte Landeshauptmann
Durnwalder. In der Zwischenzeit seien gewisse
Entlastungen von Seiten des Staates für alle Personen mit Mindesteinkommen und
geringem Einkommen nötig. Auch auf die Mittelschicht müsse geachtet werden,
damit Betroffene nicht auch zu Geringverdienenden werden. Er hoffe auch, sagte
Durnwalder, dass der Staat die gemachten Versprechen einhalte, die Steuern auf
Überstunden zu streichen, niedrige Einkommen sowie
Familien, in denen beide Eltern arbeiten, geringer zu besteuern und die
Steuerabzüge für Kinder und Pflegebedürftige anzuheben. Auch Unternehmen, die
ihr Geld wieder in den Betrieb investieren sollten Steuerbegünstigungen
bekommen, so der Landeshauptmann.
Die Landesregierung hat heute die Diskussion um eigene Maßnahmen forgesetzt,
dank derer die Kaufkraft der Südtiroler gestärkt werden soll. Wenn
beispielsweise all jene Personen, die vom Land das Lebensminimum erhalten,
zusätzliche 100 Euro bekämen, fehlten dem Land in seiner Kasse rund drei
Millionen Euro. „Diese Gelder könnten anderswo eingespart werden, allerdings
müssten auch andere soziale Leistungen geändert werden, womit wir auf einen
wesentlich größeren Betrag kämen“, erklärte der Landeshauptmann. Eine weitere
Möglichkeit wäre laut Durnwalder, die Abzüge für zu Lasten lebende Personen der
Inflation anzupassen, was bedeuten würde, dass mehr Personen Sozialleistungen
beziehen könnten. Etwa sieben Millionen Euro würde es zudem kosten, den 4700
Zivilinvaliden weitere 100 Euro zuzuschießen. „Viele Punkte fallen aber unter
den Stabiltitätspakt, was die Sache erschwert, wie beispielsweise auch die
Stipendien, von denen wir weniger vergeben und den Bedürftigen dafür höhere
Summen ausbezahlen könnten“, sagte Durnwalder. Die Kostenbeteiligung (Ticket)
für die Spitalaufenthalte abzuschaffen, würde eine Million Euro kosten. Auch
beim Abwasser könnten die Bürger über die Gemeinden weniger zur Kasse gebeten
werden. „Noch liegt kein Ergebnis für weitere Maßnahmen vor. Alle Punkte müssen
nun im Detail überprüft werden. Wir wollen genau abwägen, was den Bürgern
Vorteile bringt“, betonte der Landeshauptmann. Voraussichtlich bis Juni könnten
laut Durnwalder erste konkrete Eingriffe ausgearbeitet sein.
Kleine Anlagen für erneuerbare Energie ohne Bauleitplanänderung möglich
Im landwirtschaftlichen Grün sollen künftig kleinere Anlagen zur Gewinnung von
Alternativenergie ohne Änderung der Bauleitpläne errichtet werden können,
erklärte Landeshauptmann Durnwalder. Wie von der Landesregierung beschlossen.
gehören dazu Biogas- und Biomasse- Anlagen mit bis zu 200 Kilowatt Nennleistung,
windbetriebene Anlagen mit 50 Kilowatt Leistung, Anlagen für Solarenergie und
Photovoltaik mit einer Fläche bis zu 50 Quadratmetern (auf Dächern ist die
Fläche unbeschränkt) und Anlagen mit Wasserkraft bis zu 3000 Kilowatt
Nennleistung.
Brennercom: Land verkauft Aktien und geht in Minderheit
Insgesamt 25 Prozent der Anteile an der Energiegesellschaft Brennercom wird die
Landesregierung, wie heute offiziell beschlossen, gemeinsam mit der Gemeinde
Bozen verkaufen. Die öffentliche Hand gehe somit in Minderheit, erklärte
Landeshauptmann Durnwalder. Zusammen mit der Gemeinde Bozen, die 2,71 Prozent
der Anteile und somit 1248 Aktien veräußert, verkauft das Land 22,29 Prozent der
Anteile an der Gesellschaft, was 10.252 Aktien entspricht. Das Land hält nach
dem Verkauf nur mehr 44 Prozent der Anteile an der Brennercom. Nun laufen laut
Durnwalder die Vorbereitung für die öffentliche Ausschreibung, zu der nur
geheime Angebote zugelassen sind. Für die Mitgesellschafter gibt es ein
Vorkaufsrecht. Der Wert einer einzelnen Aktie wurde auf 704 Euro geschätzt.
Verkauft werden soll das gesamte Aktienpaket, wobei der Wert der einzelnen
Aktien nicht unter 1050 Euro liegen darf. Es seien also nur Mehrangebote
zugelassen, so Durnwalder.
Zur Bedienung von Heizanlagen 100 Stunden Weiterbildung
Techniker, die Heizanlagen mit einer Leistung von über 233 Kilowatt bedienen,
müssen über eine entsprechende Weiterbildung im Ausmaß von 100 Stunden verfügen.
Dies hat die Landesregierung in der entsprechenden Durchführungsverordnung
festgelegt. Bisher waren für diese Aufgabe nur 75 Stunden Weiterbildung nötig.
Steuererleichterung für Halter von Autos mit Partikelfilter
Zwei Jahre lang werden Bürger, die ihre Fahrzeuge mit Partikelfilter nachrüsten
künftig in Südtirol keine Steuer zahlen müssen. Das Land übernimmt damit die
entsprechenden Richtlinien vom Staat und sieht eine Steuerbefreiung von zwei
Jahren vor.
Voraussetzungen für die Zulassung von Kitas stehen
Um als Kindertagesstätte (Kita) akkreditiert zu werden, muss eine Einrichtung
mindestens eine ausgebildete Erzieherin pro fünf Kinder aufweisen. Zudem dürfen
in der Kita nicht mehr als 20 Kinder gleichzeitig betreut werden und für jedes
Kind muss eine Fläche von acht Quadratmetern vorgesehen sein. Diese Kriterien
für die Zulassung von Kitas hat die Landesregierung nun festgelegt. Bis Juni
2009 soll das Akkreditierungsverfahren abgeschlossen sein. 31 Kitas müssen
bewertet werden.
Safety Park: STA-Tochter führt Einrichtung für sechs Jahre
Eine Tochtergesellschaft der STA (Südtiroler Transportstrukturen AG) wird laut
Beschluss der Landesregierung das neue Fahrsicherheitszentrum für sechs Jahre
führen. Die Kapitalgesellschaft „Fahrsicherheitszentrum – Safety Park Pfatten
Südtirol GmbH“ ist zu 100 Prozent in Landeshand.
Seiser Alm: Neue Regeln fürs Bauen und Fahren
Am landschaftlichen Gebietsplan Seiser Alm hat die Landesregierung nun weitere
Änderungen vorgenommen, die die Bautätigkeit und Mobilität auf der größten
Hochfläche Europas betreffen. Demnach dürfen keine neuen Bauten für
Beherbergungszwecke mehr errichtet werden. „Es gilt nur mehr der Index für die
qualitative Erweiterung von Beherbergungsbetrieben, nicht mehr jener der
quantitative“, unterstrich Landeshauptmann Durnwalder. Touristische
Einrichtungen wie Bars, Restaurants und dergleichen können laut Beschluss der
Landesregierung nur mehr in eigens ausgewiesenen touristischen Zonen errichtet
werden. Was den Verkehr anbelangt, hat die Landesregierung entschieden, nur eine
unterirdische Sammelgarage in Kompatsch und nicht weitere Garagen in Ritsch und
Saltria zu bauen. Für erstere gebe es aber hinsichtlich der Plätze kein Limit,
sagte Durnwalder. Die Beherbergungsbetriebe können laut Durnwalder selbst
unterirdische Garagen für ihre Gäste bauen. Ab 1. Dezember 2008 wird die Straße
auf die Alm außerdem in der Zeit von 10 bis 17 Uhr für Fahrzeuge gesperrt sein.
Durchfahren dürfen die Besitzer von Liegenschaften auf der Alm sowie an- bzw.
abreisende Urlaubsgäste jeweils mit den entsprechenden Genehmigungen. Sobald die
Sammelgarage auf Kompatsch in Betrieb sei, könne noch einmal über das
Zeitfenster für die Sperre verhandelt werden, so Durnwalder.
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