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BESCHLÜSSE DER SÜDTIROLER
LANDESREGIERUNG VOM 20. MAI 2008
(LPA) Auch heute hat die Landesregierung wieder über Maßnahmen zur Stärkung der
Kaufkraft der Familien beraten. Konkrete Entscheidungen hat es allerdings keine
gegeben. "Die Materie wird uns wohl noch bis Mitte Juni beschäftigen", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder, der deshalb heute Radwege, die Beschäftigung
bei Post und Bahn oder die Kindergärten als wichtigste Themen der
Landesregierung genannt hat.
Kindergärten (I): Auch in Zukunft keine gemischten Sektionen
Auch in Zukunft wird es in Südtirol keine gemischtsprachigen
Kindergartensektionen geben, in denen die Unterweisung deutsch und italienisch
gleichermaßen erfolgt. Dies hat die Landesregierung heute noch einmal mit
Verweis auf den Artikel 19 des Autonomiestatuts festgehalten, in dem das Recht
auf den muttersprachlichen Unterricht festgelegt ist. "Dieses Nein bedeutet aber
nicht, dass man nicht mit Hausverstand nach Lösungen suchen könnte, mit denen
das Verständnis der jeweils anderen Sprache gefördert werden könnte", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der
Landesregierung.
"Es ist das Recht der Eltern zu entscheiden, in welchen Kindergarten sie ihr
Kind einschreiben", betonte der Landeshauptmann. Allerdings sei es dann auch
deren Pflicht, dafür zu sorgen, dass das Kind möglichst gut dem Unterricht
folgen könne, wenn dieser nicht in dessen Muttersprache ablaufe. "Im Normalfall
erfolgen die Einschreibungen im Jänner", so Durnwalder. "Es bleibt also genug
Zeit, das Kind auf die Situation vorzubereiten, das es im Herbst vorfinden wird,
und dafür zu sorgen, dass es zumindest über ein sprachliches Grundwissen
verfügt, das es ihm ermöglicht, der Unterweisung zu folgen", so der
Landeshauptmann.
Kindergärten (II): Gemeinde Bozen ersucht Land um Hilfe
Um die Raumnot in den Bozner Kindergärten zu lösen, hat sich die Gemeinde Bozen
nun mit einem Hilfsersuchen an das Land gewandt. "Leider können wir in diesem
Fall wenig tun, weil die Unterbringung der Kindergärten in die Zuständigkeit der
Gemeinde fällt", so Landeshauptmann Luis Durnwalder. Das Land habe der Gemeinde
allerdings angeboten, dass diese eventuell auch landeseigene Gebäude auf die
Möglichkeit hin abklopfen solle, dort Kindergärten unterzubringen. "Ist dies der
Fall, werden wir nach Möglichkeit helfen", so der Landeshauptmann.
Radwege: 6,1 Millionen Euro für den Ausbau
Im laufenden Jahr soll der Großteil der Radwege-Hauptstrecken durch Südtirol
fertiggestellt werden. Dies hat Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im
Anschluss an die Sitzung der Landesregierung bekannt gegeben. Um dieses Ziel zu
erreichen, hat die Landesregierung heute 6,107 Millionen Euro bereitgestellt.
"Ein Großteil davon fließt in die Komplettierung der Hauptstrecken, doch haben
wir in diesem Jahr mit jener von Lana nach Burgstall auch erstmals eine
Nebenstrecke im Finanzierungsprogramm", so der Landeshauptmann.
Die größten Brocken der Landesfinanzierung fließen in diesem Jahr in den Bau der
noch fehlenden Teilstücke in der Gemeinde Brenner (1,5 Millionen Euro), im
Abschnitt Niederdorf-Prags (eine Million Euro), Atzwang-Kollmann (800.000 Euro)
sowie Latsch-Kastelbell-Staben (650.000 Euro für die Strecke Mareiner
Brücke-Anschluss Staben).
"Ende dieses Jahres hoffen wir, den Großteil der Hauptstrecken abgeschlossen zu
haben und im kommenden Jahr nur noch einen kleinen Teil der Mittel in diese
Strecken zu investieren, während das Gros in die Nebenstrecken fließen wird", so
Landeshauptmann Durnwalder. Derzeit verfügt Südtirol über ein Radwegenetz mit
einer Länge von rund 500 Kilometern, allerdings gebe es noch Nachholbedarf bei
der Einrichtung der Rastplätze entlang der Strecken, so Durnwalder.
Beschäftigung bei Post und Bahn wird untersucht
Eine Reihe von Kritikpunkten an der Beschäftigungssituation bei Post und Bahn in
Südtirol hat Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung
der Landesregierung vorgebracht. Es werde, so Durnwalder, gegen die
entsprechenden Durchführungsbestimmungen zum Autonomiestatut verstoßen, weil der
Proporz nicht eingehalten und auf die Zweisprachigkeit der Mitarbeiter keine
Rücksicht genommen werde, es seien zu viele Mitarbeiter von außen zum Dienst in
Südtirol abkommandiert worden, die zeitlichen Beschränkungen dafür würden nicht
eingehalten und zu guter Letzt sei die zugesagte Autonomie der lokalen Post- und
Bahnverwaltungen nicht so ausgeprägt, wie dies vorgesehen und auch nötig sei, so
Durnwalder.
Die Landesregierung hat deshalb heute die beiden zuständigen Landesabteilungen -
jene für Arbeit und jene für Personal - damit betraut, die
Beschäftigungssituation bei Post und Bahn unter die Lupe zu nehmen und
detailliert festzuhalten, über wie viele Mitarbeiter die Verwaltungen in
Südtirol verfügten, wie es um den ethnischen Proporz bestellt sei, wie viele
Mitarbeiter über den vorgeschriebenen Zweisprachigkeitsnachweis verfügten, wie
viele aus anderen Regionen abkommandiert und wie lange diese bereits in Südtirol
tätig seien, nachdem es für solche Abkommandierungen klar festgelegte zeitliche
Obergrenzen gibt.
Was insbesondere die Post betrifft, betonte Landeshauptmann Durnwalder heute
zudem, dass er umgehend seine Anfrage rund um die Zukunft der Post bei der neuen
Regierung in Rom deponieren werde. "Unser Angebot steht nach wie vor: Wir wären
bereit, den Postdienst in Südtirol zu übernehmen, dafür zu sorgen, dass er
effizient läuft, und zudem auch einen Teil der Kosten dafür zu übernehmen", so
Durnwalder. Allerdings müssten die Verhandlungen rund um die Post aufgrund des
Regierungswechsels in Rom nun wieder bei Null aufgenommen werden.
Bürokratieabbau: Große Schritte voran
Mit großen Schritten sei man dem Ziel näher gekommen, den Bürgern schneller und
unbürokratischer zu ihren Rechten gegenüber der Verwaltung zu verhelfen. "Wir
haben auch dank des Internets eine Reihe von Prozeduren wesentlich vereinfachen
und beschleunigen können", so Landeshauptmann Luis Durnwalder heute. In der
Landesregierung haben die einzelnen Landesräte heute über die Fortschritte in
diesem Bereich berichtet.
Der Landeshauptmann nannte das Beispiel der Land- und Forstwirtschaft, in der
heute um nahezu alle Förderungen mit einem Minimalaufwand an Dokumenten
angesucht werden könne. "Gesuch, Projekt und Kostenvoranschlag: Das ist das
Mindeste, was wir verlangen können, weil diese Dokumente vorliegen müssen, damit
wir ein Gesuch bearbeiten können", so Durnwalder. Dank eines direkten Zugriffs
auf das Land- und forstwirtschaftliche Informationssystem (LAFIS) und die Daten
in Grundbuch und Kataster könnte man heute dem Bürger zahlreiche Bescheinigungen
und Dokumente ersparen.
Ähnliches sei auch im Sozialbereich in Ausarbeitung. "Wir sind dabei, die
Vermögenssituation der Antragsteller zu erheben und diese Daten allen Ansuchen
im Bereich des Sozialen zu Grunde zu legen", so der Landeshauptmann. Bereits im
kommenden Jahr wolle man diese Datenbank in Betrieb nehmen, was zur Folge habe,
dass die Antragsteller nur noch ein Gesuch einreichen (auch online) und auf
weitere Dokumente verzichten könnten.
"Wir bieten zudem auch Banken und Freiberuflern Zugang zu den Datenbanken von
Grundbuch und Kataster, damit auch diese die Vorteile dieser gesammelten Daten
an ihre Kunden weitergeben können", erklärte heute Durnwalder. Der
Landeshauptmann ortete allerdings noch Nachholbedarf bei verschiedenen
Verfahren, für die es eine Reihe von Gutachten brauche. "Hier ist darüber
nachzudenken, ob wir nicht alle beteiligten Stellen an einen Tisch und in eine
Kommission bringen könnten", so Durnwalder. "Insgesamt bin ich der Meinung, dass
wir in Sachen Bürokratieabbau enorme Fortschritte gemacht haben und man heute
kaum noch von einer erdrückenden Zettellast sprechen kann", so das Fazit des
Landeshauptmanns.
Familienpaket der Region: Landesregierung hofft auf Fortschritte
Morgen soll der Regionalrat die Neuerungen im Familienpaket verabschieden. "Wir
hoffen, dass wir diese Neuerungen morgen über die Bühne bringen können, weil sie
die Maßnahmen des Landes in Sachen Familienförderung ergänzen", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder heute im Anschluss an die Sitzung der
Landesregierung. Im Familienpaket enthalten ist die Ausweitung des Kindergeldes
auch auf Familien mit nur einem Kind, die Inflationsbereinigung der vorgesehenen
Beiträge und die Erhöhung der öffentlichen Zuschüsse zu den Rentenbeiträgen für
Mütter, die sich dafür entscheiden, ihre Kinder zu Hause betreuen.
Mineralwasser: Aufwertung dank EU-Projekt
Im Rahmen eines EU-Projekts wird die Landesabteilung Wasserschutzbauten die neun
Mineralwasserquellen in Südtirol und deren Fassungen eingehend untersuchen, um
sicherzustellen, dass nichts deren Qualität trübt. "Dieses Projekt soll dazu
beitragen, dass wir die Qualität der Mineralwässer garantieren und so zu deren
Aufwertung beitragen können", so Landeshauptmann Luis Durnwalder.
4,8 Millionen Euro für Privatschulen
Die acht Südtiroler Privatschulen mit deutscher oder ladinischer
Unterrichtssprache fördert das Land in diesem Jahr mit 4,8 Millionen Euro. "Wir
haben bereits eine erste Tranche in Höhe von rund zwei Millionen Euro
ausbezahlt, die zweite haben wir heute genehmigt", so Landeshauptmann Luis
Durnwalder. Die größten Happen gehen an das Vinzentinum in Brixen (1,2 Millionen
Euro) und das Bozner Franziskanergymnasium (1,1 Millionen Euro).
Geld für Dreisprachigkeit
An die acht ladinischen Gemeinden überweist das Land zusätzliche 250.000 Euro.
"Diese Mittel sind dafür vorgesehen, dass die Gemeinden die Mehrkosten decken
können, die ihnen aus der Pflicht zur Dreisprachigkeit entstehen", so
Landeshauptmann Luis Durnwalder.
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